„Jahreswagen“ dominieren DTM-Lauf in Oschersleben

Mit perfekter Strategie und einer fast fehlerfreien Fahrt zum historischen Sieg – DTM-Rückkehrer Gary Paffett

Was sich schon beim Saisonauftakt in Hockenheim andeutete, bestätigte sich im DTM-Rennen in der Motorsport Arena Oschersleben. Die Gebrauchtwagen der vergangenen Saison sind konkurrenzfähig und werden durch das neue Gewichtsreglement zu ernsthaften Gegnern der aktuellen 2007er Modelle.
In Hockenheim war es Daniel la Rosa, der als Dritter im 06er Mücke-Mercedes sogar auf das Podium fuhr. Im Qualifying überraschte Audi-Junior Mike Rockenfeller, der seinen Audi A4 aus dem Jahr 2006 in die erste Startreihe beförderte. Nur der zweifache Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen war in der aktuellen Mercedes C-Klasse noch einen Hauch schneller. Hockenheimsieger Mattias Ekström startete das Rennen von der vierten Position aus, hinter Bruno Spengler. Doch der Schwede produzierte einen Frühstart und verlor nach der Durchfahrtsstrafe alle Aussichten auf den Sieg. Noch schlechter erging es dem amtierenden Meister Bernd Schneider. Im Training nur Zehnter kam er mit Kupplungsproblemen nur als letzter von seinem Startplatz weg. Er sollte nicht der einzige Pilot einer 2007er Mercedes C-Klasse bleiben, dessen Rennen von technischen Problemen geplagt sein sollte. Bruno Spengler musste sein Fahrzeug mit einer defekten Servolenkung in Runde 15 in der Box abstellen. Unterdessen lieferte Mike Rockenfeller ein tadelloses Rennen ab. Den Start gewann der ehemalige Porsche-Carrera-Cup-Meister und auch anschließend hielt er Häkkinen problemlos hinter sich. Der Finne versuchte mit frühen Boxenstopps wieder in Führung zu gehen. Mit einem kurzen zweiten Turn setzte sich Häkkinen wieder an Rockenfeller vorbei.

Die gefürchtete Startkollision in der neuen ersten Kurve blieben aus. Trotzdem stieß die Strecke nach dem Umbau unter den Fahrern auf wenig Gegenliebe.

Kampf der Generationen – Mike Rockenfeller hielt sich in der Anfangsphase Mika Häkkinen erfolgreich vom Leib

Einer völlig anderen Strategie ging das Persson-Team nach. Lange blieben Gary Paffett (Mercedes C-Klasse 2006) und Paul di Resta (Mercedes C-Klasse 2005) vor ihrem zweiten Boxenstopp auf der Strecke. Während sich Häkkinen, Rockenfeller, Green und Scheider gegenseitig unter Druck setzten, legten die Persson-Teamkollegen eine schnelle Runde nach der anderen hin. Jamie Green musste nach einer Berührung mit der überrundeten Vanina Ickx, durch die Boxengasse und verlor damit den Anschluss an die Spitzengruppe. Für Ickx war das Rennen nach dem misslungenen Manöver beendet, sie schlug mit ihrem Audi unsanft in die Streckenbegrenzung ein.
Paffett und di Resta verblüfften die Konkurrenz und behielten ihre Spitzenpositionen auch nach den letzten Stopps. Dahinter setzte Mike Rockenfeller den geschwächten Mika Häkkinen noch einmal stark unter Druck. Fast 30 Runden war der Finne bereits auf seinem dritten Reifensatz unterwegs und wehrte sich deshalb mit Händen und Füßen gegen den 23jährigen, dessen 2006er Audi A4 im letzten Jahr unter Tom Kristensen in Oschersleben gewinnen konnte. In der vorletzten, der insgesamt 44 Runden, überrumpelte Rockenfeller Häkkinen in der neuen Kurvenkombination nach Start und Ziel, nachdem er den Mercedes-Piloten in einen Fehler getrieben hatte. Zwar berührten sich die beiden, wobei der Rosberg-Audi von Rockenfeller den hinteren linken Kotflügel verlor, doch den Dritten Platz in seinem zweiten DTM-Rennen ließ er sich nicht mehr nehmen. Mika Häkkinen büßte nicht nur Rang drei ein, er schlitzte sich bei der Berührung auch noch den rechten Hinterreifen, was ihn bis auf die 17. Position zurückwarf. Rockenfeller nach dem Rennen: „Das Manöver war hart aber fair. Ich war auf der besseren Linie. Bedenken hatte ich lediglich beim Start, aber der hat ja bestens geklappt.“

Paul di Resta bewieß, dass man auch mit einem zwei Jahre altem Auto auf das Podest fahren kann.

Die neue Mercedes C-Klasse kränkelt noch. Bernd Schneider beendete das Rennen nach Kupplungsproblemen am Start nur auf Platz sechs.

Vorn ließen Paffett und di Resta nichts mehr anbrennen und fuhren den Doppelsieg für die Persson-Mannschaft sicher nach Hause. Für Paffett war es bereits der zweite Sieg in Oschersleben, denn schon in seiner Meisterschaftssaison 2005 stand er in der Börde ganz oben auf dem Treppchen. Der 21 Jahre junge und amtierende Formel-3-Euroserien-Meister di Resta zeigte wie Mike Rockenfeller ein tadelloses Rennen, das mit Platz zwei belohnt wurde. Es war nicht nur der erste Sieg eines „Jahreswagen“ in der Geschichte der DTM, es war auch gleichzeitig das erste komplette Podium, auf dem kein Fahrer eines aktuellen Wagens stand.

Schadensbegrenzung nach dem Frühstart – Mattias Ekström verschenkte wertvolle Meisterschaftspunkte

Mattias Ekström, der sich nach seinem Frühstart wieder bis auf den siebenten Platz nach vorn arbeiten konnte, kassierte dafür zwei Meisterschaftspunkte und liegt damit weiterhin an der Tabellenspitze. Diese muss er sich nun jedoch mit Paul di Resta teilen. Der junge Schotte steht nach Platz fünf in Hockenheim und Platz zwei in Oschersleben ebenfalls bei zwölf Zählern. Auch Teamkollege Martin Tomczyk liegt nach dem fünften Platz in der Motorsport Arena punktgleich in Führung.

Für die 63.000 Zuschauer ließ auch das Rahmenprogramm keine Wünsche offen. Porsche-Carrera-Cup, Formel-BMW, VW-Polo-Cup und Seat Leon Supercopa sorgten für reichlich Unterhaltung.

Über Gratis-Karten der Motorsport Arena Oschersleben konnten sich freuen: Frau Nancy Schröder aus Magdeburg und Herr Alexander Vogel aus Schlettau.

Jan Seyffarth aus Querfurt glänzte mit dem vierten Platz im 37 Fahrer starken Porsche-Carrera-Cup-Feld

Die finnische Gruppe Sunrise Avenue drückte Mika Häkkinen die Daumen.

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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