Fans und Fahrer dürfen auf ein Wiedersehen mit den besten Bergrennfahrern Europas beim Glasbachrennen 2023 hoffen

25. Glasbachrennen: Europameister Merli siegt beim Jubiläumsrennen

Zwei Jahre länger als geplant musste die Bergrennsportgemeinschaft auf die Jubiläumsausgabe des Glasbachrennens warten. 2020 und 2021 fiel das Rennen auf Deutschlands längster Bergrennstrecke der Corona-Pandemie zum Opfer. Zuletzt versammelte sich in den Jahren zwischen 2013 und 2019 die Bergrennsportelite Europas, um auf der selektiven Strecke bei Bad Liebenstein um Punkte in der FIA European Hillclimb Championship zu fahren. Doch Ende letzten Jahres gab die veranstaltende Rennsportgemeinschaft Altensteiner Oberland keine Meldung für einen EM-Lauf ab. Zu groß wäre das organisatorische und finanzielle Risiko ob der damals noch unklaren Corona-Situation gewesen.

Umso erfreulicher dass das Jubiläumsrennen trotzdem und schließlich sogar gänzlich ohne Einschränkungen als Lauf zur deutschen Meisterschaft ausgetragen werden konnte. Überraschend sagte der amtierende Berg-Europameister und Glasbach-Streckenrekordhalter Christian Merli kurzfristig seine Teilnahme am Rennen zu und sorgte damit für ein zusätzliches Highlight. Hinzu kamen zahlreiche Starter aus dem benachbarten Österreich, die erstmals auf der Glasbach-Rennstrecke um Punkte für die österreichische Berg-Staatsmeisterschaft fuhren.

Schon im Training ließ Christian Merli in seinem Osella FA30 mit einer schnellen Zeit knapp über der Zwei-Minuten-Schallmauer aufhorchen. Für die Rennläufe am Sonntag war eine Verbesserung seines eigenen Rekords von 1:58,395 Minuten durchaus im Bereich des Möglichen. Mit 1:58,941 im ersten Lauf blieb der Italiener nur knapp über seiner eigenen Bestmarke. Der Zweitschnellste Alexander Hin im zweisitzigen Osella PA30 war mit 2:07.298 Minuten deutlich schneller als noch im Training am Vortag. Doch eine echte Gefahr für den Tagessieg  war der Bauunternehmer aus dem Schwarzwald mit dieser Zeit dennoch nicht. Merli sicherte den Gesamtsieg mit zwei unwesentlich langsameren Auffahrten ab und auch Hin kam später nicht mehr an seine Zeit aus dem ersten Lauf heran.

Christoph Lampert siegte beim EM-Lauf am Rennsteig 2019 auf einem Osella FA30 Monoposto. Obwohl der 40jährige aus Feldkirch in Österreich heuer mit einem schwächer motorisierten Osella PA2000 Evo bei den Sportwagen am Start war, unterlag er Alexander Hin nach dem dritten Wertungslauf nur um etwas mehr als drei Sekunden.

Berg-Rückkehrer Uwe Lang brauchte nur zur Rückführung etwas Starthilfe
Berg-Rückkehrer Uwe Lang brauchte nur zur Rückführung etwas Starthilfe

Im Hause Lang Motorsport holte der ehemalige deutsche Bergmeister Uwe Lang seinen betagten Osella PA20S Evo nach längerer Abstinenz wieder einmal aus der Garage und fuhr prompt auf einen beachtenswerten vierten Gesamtrang. Sohn Georg hätte es ihm gern gleichgetan, doch im zweiten Wertungslauf rutschte Georg Lang mit seinem Formel Renault in die Streckenbegrenzung. Neben dem Schaden am Rennfahrzeug war der Ärger über eine mögliche gute Platzierung wohl am größten, denn so erbte Formel-3-Pilot Mathieu Wolpert den Sieg bei den Rennwagen bis 2000ccm kampflos.

Michael Bodenmüller dominierte im Opel Gerent-Kadett die Tourenwagenklasse und ließ auch im Gesamtklassement einige Rennwagen hinter sich. In der stark umkämpften Tourenwagenklasse bis 2000ccm lieferten sich Norbert Wimmer im BMW 2002 8V und Lars Heisel im Opel Böhm-Kadett das Duell des Tages. In den Rennläufen 1 und 2 hatte Wimmer noch die Nase vorn, doch im letzten Lauf patzte der Mann aus dem Chiemgau. Heisel dagegen zeigte drei blitzsaubere Auffahrten mit einer maximalen Abweichung von drei Hundertstelsekunden! Diese Konstanz brachte ihm schließlich den Klassensieg und damit wichtige Zähler im KW-Berg-Cup.

Die zweijährige Corona-Pause hatte offensichtlich nicht nur an Organisatoren, Zuschauern und Aktiven genagt, auch der Technik bekamen zwei Jahre Inaktivität nicht besonders gut. Sowohl der Trainingstag, als auch die Rennläufe am Sonntag waren von zahlreichen Ausfällen geprägt. Vor allem an den Getrieben der Rennfahrzeuge scheint die lange Stillstandszeit genagt zu haben. Zahlreiche Teilnehmer klagten über den Verlust einzelner Gängen oder blieben ganz ohne Vortrieb auf der Strecke liegen, was leider zu einer großen Anzahl an Unterbrechungen und Verzug im Zeitplan führte. Kurz nach 17 Uhr konnte Rennleiter René Trautvetter dann endlich den letzten Teilnehmer auf die 5,5 Kilometer lange Bergrennstrecke schicken und das Jubiläumsrennen ohne größere Zwischenfälle beenden.

Einige historische Rennwagen, wie dieser Melkus RS 1000, erinnerten zum 25. Glasbachrennen an die Vergangenheit des 1974 erstmals ausgetragenen Bergrennens
Einige historische Rennwagen, wie dieser Melkus RS 1000, erinnerten zum 25. Glasbachrennen an die Vergangenheit des 1974 erstmals ausgetragenen Bergrennens

Für das 26. Glasbachrennen im Jahr 2023 plant die RSG Altensteiner Oberland wieder die Austragung eines EM-Laufs. Dann soll nach dem erfolgreichen Neustart endlich auch wieder europäisches Flair in die Straßen Steinbachs einziehen.

Mit der deutschen Bergmeisterschaft geht es bereits in weniger als zwei Wochen im nur etwa 70 Kilometer entfernten Heilbad Heiligenstadt weiter. Dort wird das bekannte Ibergrennen ebenfalls nach zwei Jahren Zwangspause endlich seine 25. Auflage erleben.

Fans und Fahrer dürfen auf ein Wiedersehen mit den besten Bergrennfahrern Europas beim Glasbachrennen 2023 hoffen
Fans und Fahrer dürfen auf ein Wiedersehen mit den besten Bergrennfahrern Europas beim Glasbachrennen 2023 hoffen

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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