Franz Engstler mit Heimsieg in Oschersleben

Franz Engstler mit den Pokalen für Laufsieg und den besten Privatfahrer

Mit Dauerregen und kaltem Wind begrüßte die Motorsport Arena Oschersleben die Tourenwagen-Weltmeisterschaft, ihre Akteure und Fans. Für die nötige Erwärmung sorgte Franz Engstler mit seinem Sieg im zweiten Lauf der Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Es war der erste WTCC-Sieg für Engstler und dessen Team, ausgerechnet beim Heimrennen in Oschersleben. In der Woche vor dem Rennen feierte er noch seinen 50. Geburtstag und es gab keinen, dem das Publikum, die Fahrerkollegen und Teammitglieder diesen Sieg mehr gewünscht hätten, als ihm. Der Vize-Europa-Bergmeister von 1983 ist seit 2008 in der Weltmeisterschaft aktiv, im deutschen Tourenwagensport ist der Name Engstler dagegen längst zu einer Marke geworden. Seit 1989 in der DTM und später in STW und DTC entwickelte sich der sympathische Allgäuer bei den Fans zum Publikumsliebling. Mit dem Sieg in Oschersleben zeigte Franz Engstler jetzt, dass er noch lange nicht zum „alten Eisen“ gehört.

Rechts gewinnt Yvan Muller den Start zum ersten Lauf, Dahlgren (2. v.l.) im Volvo fällt zurück

Bisher waren es immer die BMW, die es in Oschersleben zu schlagen galt. Der enge Kurs mit seinen vielen Kurven lag den heckgetriebenen Fahrzeugen aus Bayern in den vergangenen Jahren besonders gut. Mit der Umstellung des Reglements und den neuen 1,6-Literer-Turbomotoren in diesem Jahr haben sich die Verhältnisse allerdings stark geändert. Die drei Werks-Chevrolet sind nun das Maß der Dinge, BMW jagt immer noch dem ersten Saisonsieg nach und neben den Seat ist jetzt auch ein Volvo im Starterfeld zu finden. Die Schweden schicken, in ihrer „Evaluation Season 2011“, wie auf dem Wagen zu lesen ist, Robert Dahlgren ins Rennen und kommen im Verlauf der Saison immer besser in Fahrt. Im Qualifying gab es mit Yvan Muller im Chevrolet Cruze auf der Pole Position ein übliches Bild. Dahinter aber nicht einer seiner Teamkollegen, sondern Dahlgren im bisher besten Quali-Ergebnis des Volvo C30.

Robert Huff setzte Teamkollege Yvan Muller gegen Rennende noch einmal unter Druck

Schon vor dem Start zum ersten Rennen war für die Zuschauer in der regennassen Motorsport Arena für Spannung gesorgt. Franz Engstler, einziger deutscher Starter in der WTCC, drehte sich in der Einführungsrunde, durfte seinen Platz in der Startaufstellung aber wieder einnehmen. Nach zwei vergeblichen fliegenden Startversuchen, weil das Feld am Grid-Schild nicht formiert war, ging es endlich los. Muller und Teamkollege Robert Huff übernahmen die Führung, Dahlgren im Volvo verpatzte den Start und wurde in der ersten Runde bis auf den achten Platz zurückgereicht. Hinter den Werks-Chevy reihten sich mit Abstand die Seat von Gabriele Tarquini und Michel Nykjaer ein. Muller und Huff trugen vorn unterdessen den teaminternen Kampf um die Meisterschaft in die nächste Runde. Das Limit zu finden gestaltete sich dabei schwierig. Die feuchte Strecke war für die Regenreifen nicht nass genug, so dass diese schnell überhitzten. Das bekam Robert Huff zu spüren, als er sich in der Hasseröder-Kurve verbremste. Der große Vorsprung des Führungsduos reichte dennoch, um den zweiten Platz zu halten. In den verbleinenden Runden fuhr Huff zwar wieder an Muller heran, in der letzten Runde riskierte der Brite allerdings nicht alles, um Muller den Sieg noch streitig zu machen. Hinter Muller und Huff musste sich Tarquini den Angriffen des immer stärker aufkommenden Robert Dahlgren erwehren. Der Weltmeister von 2009 verhinderte allerdings mit seiner Routine den ersten Podestplatz für die Schweden.

Stefano D´Aste im Wiechers-BMW, bester Privatfahrer im ersten Lauf

Norbert Michelisz´ Führung dauerte nur bis Runden 8

Franz Engstler konnte nach einem Ausrutscher nicht mehr in den Kampf um die vorderen Plätze der Privatfahrerwertung eingreifen. Mit einer beherzten Fahrt kämpfte sich Engstler wieder bis auf den zehnten Platz nach vorn, um in der letzten Kurve vom jungen Russen Andrej Dudukalo umgedreht zu werden. Den Sieg in der Independents-Trophy trug Stefano D´Aste für das niedersächsische Wiechers-Sport-Team davon.

Das Podium des zweiten Laufes mit Engstler (50), Menu (47) und Tarquini (49) dürfte wohl als eines der ältesten in die Geschichte der Tourenwagen-WM eingehen

Für den zweiten Lauf waren die Karten wieder neu gemischt. Nach dem wohl schlechtesten Ergebnis für BMW in Oschersleben überhaupt im ersten Rennen, hatte Franz Engstler für den zweiten Lauf auf fast trockener Fahrbahn alle Trümpfe in der Hand. Der Bayer startete bei seinem Heimrennen von der Pole-Position vor Tiago Monteiro und Norbert Michelisz. Der Ungar Michelisz kam beim stehenden Start besser weg als Engstler und Monteiro im Seat mit Frontantrieb. Ebenfalls einen schlechten Start erwischte Michel Nykjaer, der fast stehen blieb. In der Folge berührten sich Mehdi Bennani und Kristian Poulsen. Bennani flog in die Boxenmauer und sorgte so für eine Safety-Car-Phase.
Nach dem Re-Start konnte Michelisz seine Führung vor Engstler behaupten. Alain Menu im bestplatzierten Chevrolet hatte sich schon auf den dritten Platz nach vorn gearbeitet, als sich Michelisz in Führung liegend ohne Fremdeinwirkung drehte, bis auf Platz fünf durchgereicht und anschließend von Tom Coronel endgültig ins aus befördert wurde. Vorn bemühte sich Menu Druck auf Engstler aufzubauen. Der konterte mit schnellen, fehlerfreien Runden und fuhr den Sieg nach Hause. Dem Bild des überglücklichen Franz Engstler gegenüber stand das von Norbert Michelisz, der wieder einmal Nerven zeigte und nach dem Rennen seiner verpassten Chance nachtrauerte.

ADAC Procar

Peter Rikli gewann den zweiten Procar-Lauf vor Jens Weimann

Das Rennen 1 der ADAC Procar auf nasser Strecke wurde zu einer klaren Angelegenheit für Tabellenführer Johannes Leidinger vom Liqui-Moly-Team-Engstler. Peter Rikli und Jens Weimann machten die Plätze zwei und drei unter sich aus, wobei der Schweizer die Oberhand behielt. In der Reparaturpause hatte die Strecke dann weiter abgetrocknet. Den stehenden Start gewann Weimann vor Leidinger, aber Rikli setzte sich im frontgetriebenen Honda Civic nach wenigen Runden vor die beiden BMW-Piloten. Riklis Sieg sollte nicht mehr in Gefahr geraten und auch Weimann konnte sich von Leidinger immer weiter absetzen. In der Meisterschaft bleibt Leidinger mit 70 Punkten Spitzenreiter vor Weimann (48 Punkte).
Die Siege in der Division zwei teilten sich Guido Thierfelder und Jens Löhnig.

Mini Challenge:

Berg-Spezialist Jörg Weidinger beeindruckte bei seinem Gaststart in der Mini Challenge

Gleich drei Rennen trug die Mini Challlenge an diesem Wochenende in der Motorsport Arena aus. Am Freitag und Samstag gewann jeweils der Gesamtführende Hendrik Vieth, am Sonntagmorgen musste sich der Nordfriese als Dritter seinem schärfsten Verfolger Nico Bastian und Jürgen Schmarl geschlagen geben. Steve Kirsch aus Hohenstein-Ernstthal gelang im zweiten Rennen als Dritter der Sprung auf das Podest, in den beiden anderen Durchgängen blieb ihm jeweils der vierte Platz. Als Gaststarter stieg Jörg Weidinger in Oschersleben hinter das Steuer eines der Mini-Challenge-Fahrzeuge. Der Berg-Europameister der Produktionswagen von 2005 und 2006 und deutsche Sportwagen-Bergmeister von 2009 zeigte dabei, dass sich seine Stärke nicht nur auf den Kampf gegen die Uhr beschränkt. Nach einem 12. Platz im ersten und Pech im zweiten Rennen startete Weidinger im dritten Lauf vom 21. und letzten Startplatz, arbeitete sich aber auf regennasser Strecke Position um Position nach vorn, und überquerte den Zielstrich auf einem beachtlichen achten Platz. Diese Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen, bedenkt man, dass Gaststarter in der Mini Challenge 25 Kilogramm Zusatzgewicht in die Einheitsfahrzeuge zugeladen bekommen.

Formel-Sport:
Die Rennen der AutoGP (modifizierte ehemalige A1GP-Fahrzeuge) gewannen Sergei Afanasiev und Giovanni Venturini. In der Nordeuropäischen Formel Renault Meisterschaft siegten Tio Ellinas und Carlos Sainz jr.

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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