Karl-Ernst Müller: 40 Jahre zum GP nach Brno

Die Motorhaube ist jetzt im Technischen Museum Brno

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrgang unserer Reisen zum Grand Prix der Tschechischen Republik in Brno. Das ist uns Anlass zur Rückschau. 1972 machten wir die erste Reise mit einem Skoda-Oktavia Baujahr 1961. Mein Bruder Michael war der Initiator. Im Wald von Kohoutovice/Zebetin nahe der Farina-Kurve campten wir. Die Seitenwagen starteten in Brno, denen galt unser Interesse. Schon 1965 hatte ich die Messe in Brno besucht und kannte die schöne Stadt.
Ab 1973 übernahmen wir die Pflege der Gedenkstätte für den 1956 tödlich verunglückten deutschen Rennfahrer Hans Baltisberger (Reutlingen), legten Kränze nieder, die nicht den Vorstellungen politischer Funktionäre entsprachen.
Seit 1976 gibt es Kontakt zu tschechischen Bürgern, besonders Karel Svancara aus Svitavy, der mit einer alten Zündapp mit Seitenwagen nach Brno kam.

Der Skoda war unser treuer Reisebegleiter

Seit 1980 campen wir gemeinsam mit den Brüdern Vesely (Dobrenice und Prag) und ihren Familien und Freunden.
1983 animierte mich der Pressechef am Masarykring Vladimir Havranek zur Pressearbeit, seit dem mache ich Werbung für meine tschechischen Motorsportfreunde und die Rennstrecke, wo ich kann.
1984 erscheint in dem deutschsprachigen tschechischen Journal „Motor-Revue“ Prag ein Artikel über den Skoda und seine originelle Motorhaube mit der Rennstrecke darauf.
1986 gab es die offizielle Gründung des Fanclub durch Martin Schreiber, Karl-Ernst und Michael Müller, auch aus oppositionellen Gründen. Im Clubnamen sind die Namen der (west-)deutschen Weltmeister, die wir in der Zeit auf der Rennstrecke erlebten, verankert – Enders, Braun, Steinhausen, Mang, Schwärzel (EBSMS). Mit den uns gebotenen, bis 1990 geringen Informationen versorgten wir die Sportfreunde. Von unseren Reisen gibt es umfangreiche chronistische Fotoalben, bis heute.
Seit 1987 sind wir Gäste der Familie Jelinek in Zebetin und verbringen herrlich Tage beim Camping in deren Garten, inzwischen in 4. Generation.

Gedenkstätte Hans Baltisberger 1980 mit Kränzen von uns

1991 gab es die erste offizielle Ehrung unsererseits an der Hans-Baltisberger-Gedenkstätte mit Hilfe von Adolf Söhnlein, der den Stein errichtete, und Josef Jirsenski, Mitglied der Rennleitung Masarykring. Vorher hatte ich Kontakt mit der Heimat Reutlingen/Betzingen und der Familie von Hans Baltisberger, aufgenommen. Der Sieger des Rennens von 1956, Horst Kassner erscheint, ein bewegendes Ereignis. Die Gedenkstätte ist inzwischen offizielles Denkmal der Stadt Brno.
1995 – 2000 habe ich auf die Bitte von Dr. Jura Svoboda hin die Durchführung von Pressekonferenzen für den Grand Prix CZ in Zwickau organisiert.
Vorher gab es schon Kontakt zur Rennleitung und Amos Krejci, Dr. Jura Svoboda, Pavel Hanak und anderen.
2006 organisieren wir eine weitere Ehrung zum 50. Todestag von Hans Baltisberger, der Streckenfunk am Masarykring berichtet auf unsere Veranlassung hin. Wir legen einen Kranz des Clubs und auf dessen Bitte des Oberbürgermeister von Reutlingen nieder. Ich mache Zuarbeit zu einem Zeitungsartikel im „Reutlinger Generalanzeiger“. Dadurch entstehen persönliche Kontakte zum Mechaniker von Baltisberger, Albert Kleindienst und zu seinen Schwestern Ilse und Mechthild sowie dem Schriftsteller Kurt Oesterle aus Tübingen.
Werner Frueh, Reutlingen-Betzingen entwickelt mit unserer Unterstützung eine Website (http://www.wernerfrueh.de/baltisberger.htm).

Mit tschechischen Freunden 1980

Im Jahr 2006 erhielt ich das Bundes-Verdienstkreuz. In der Laudatio steht unter anderem: “ Er ist auf den motorsportlichen Großveranstaltungen (…) zu finden, wie im tschechischen Brno. Zu den Motorsportfreunden im Nachbarland hält er seit 1972 engen Kontakt.“
2008 erfolgt eine literarische Überarbeitung mit Neuauflage von „M(N)ordwand und Todeskurve von Dr. Kurt Oesterle (Verlag Klöpfer&Meyer, Tübingen 2008, ISBN 978-3-940086-24-2). Dort werden auch die Aktivitäten unseres Clubs in Bezug zu Hans Baltisberger geschildert.
Im Februar 2011 habe ich mit meinem Bruder Michael im Technischen Museum Brno die Ausstellung 80 Jahre Masarykring besucht und als Geschenk die Motorhaube mit der Darstellung der Rennstrecke von 1975 – 1986, die er bis 1989 an seinem Skoda-Oktavia mitführte, übergeben.
In und um die Stadt Brno haben wir kulturell und historisch viel Schönes erlebt.
Wir reisen im Jahr 2011 im 40. Jahrgang nach Brünn, dort habe ich ca. 200 Tage meines Lebens verbracht, eine herrlich Zeit!

Karl-Ernst Müller, Zwickau

Anmerkung von Mike Jordan: Karl-Ernst Müller hat uns in den 1980er Jahren mit der „motorsport aktuell“ (msa) versorgt, die einem Lesezirkel gleich durch eine Reihe von Händen ging. Soweit ich mich erinnern kann, bekamen wir die Ausgaben etwa ein halbes Jahr nach Erscheinen. Das waren für uns aktuelle Informationen! Danke nochmals dafür. Man kann heute gar nicht mehr ermessen, welches Risiko jeder Einzelne bei der Weitergabe der Zeitschriften einging.

Text und Bilder Karl-Ernst Müller

Mike Jordan

mikejordan@motorrennsportarchiv.de

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Können sie mir bitte weiterhelfen….bin auf der Suche nach einer DvD vom Motor GP in Brünn……ich möchte damit meinen Schatz überraschen da er live dsbei war unser DvD Player beim aufnehmen gestreikt hat….egal was sie kostet….ich mach es aus Liebe. ….bitte …bitte vielleicht können sie mir weiterhelfen lg.Manuela

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  2. Wenn Sie mich meinen, ich glaube ich habe eine. Durch Zufall fand ich diese Nachricht.
    Bitte per eMail.
    KEM

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  3. Der in Sachsen agierende BRNO 1972 Racing Fanclub EBSMS wird sich am 7. August in der mährischen Messestadt Brno/Brünn von jahrzehntelangen
    Aktivitäten im Rennsport verabschieden. Auf dem traditionellen Rundkurs wird es für längere Zeit keine WM-Läufe mehr geben. Das ist uns
    Anlass, danke zu sagen, für eine lange währende Gastfreundschaft in der 50. Saison, die wir dorthin reisen.
    Die Aktivitäten erstreckten sich nicht nur auf Rennbesuche, sondern auch auf Pressekonferenzen, die wir mit Hilfe des TÜV Zwickau
    organisierten.
    Der Schriftführer Karl-Ernst Müller arbeitete auch lange Jahre journalistisch für den BLICK, den WOCHENSPIEGEL, den Reutlinger Genaralanzeiger
    und den österreichischen Verlag Speedweek. Von 1996 – 2018 stand er als Marshal am neuen Sachsenring, als Ausgleich für die unter Rivalität
    stehenden Sportstätten. Ich weiß aus sehr differenten Gesprächen, dass man es nicht gern sah, dass wir mit dem Nachbarn kungelten.

    Anfangs versorgete der Club seine Mitglieder auch mit Informationen aus den verschiedensten Quellen, als die nur spärlich in der sächsischen
    Presse zu finden waren. Schließlich waren Motorsportfreunde aus Rostock eine Woche zu früh zum Grand Prix CZ angereist. Ein Mann aus
    Eckersbach wurde an der Grenze verhaftet und sah die Heimat nicht wieder. Auch die STASI hatte dort nachweislich ihr Unwesen getrieben! Mike
    Jordan hat die Aktivitäten in seinem Motorrennsportarchiv Hohensten-Ernstthal eindrücklich zu würdigen gewusst.
    Die Seitenwagen-Rennen hatten die Motorsportenthusiasten 1972 nach Brünn gelockt, als auf dem Sachsenring der letzte WM-lauf lief.
    Von 1991 bis 1996 wurden Sachsenrin-Rennen im tschechischen Most und Brünn abgehalten.

    Die Aktivitäten am 7. August im Wald von Kohoutovicee und Zebetin werden aus einer Ehrung für den Reutlinger Rennfahrer Hans Baltisberger
    bestehen, 1956 dort tödlich verunglückt. Dessen Gedenkstätte pflegt der Club seit 1973. Außerdem wird es ein „Gaudi“ bei Start und Ziel auf
    dem seit 1987 bestehenden neuen Masarykring geben. Unikate vergangener Zeiten werden zu sehen sein, ein „Rollerrennen“ beschließt die Zeit
    der WM-Läufe. Das hat den Grund, dass ein Gründer des Clubs, Martin Schreiber, der nicht auf das Erlebnis in Brno verzichten mochte, einst
    sagte:
    ´…und wenn nur noch ein Rollerrennen in Brno stattfindet, wir fahren hin…´.

    Zu der Veranstaltung hat auch ein ehemaliger Weltmeister sein Kommen zugesagt! Die Rennleitung ist involviert, TV CZ wird, wie mehrfach schon,
    über die Aktivitäten des sächsichen Motorsportclubs berichten. Sein Zeltleben im „Camp Jelinek“ war ihm wohl auch von Interesse. Für die mährische
    Presse waren die Aktivitäten der Motorsportfreunde, u.a. aus Zeithain und Glaubitz/Riesa, Mühlberg/Elbe, Dresden, Schöna, Hamburg und
    Klipphausen mewhrfach den Bericht wert. Auch Tschechen aus Prag und Hradec Kralove gehören seit Jahrzehnten zum Freundeskreis.

    Die Fachzeitschrift SPEED in Chemnitz hat um Berichterstattung gebeten.

    Foto: die Gründer des Clubs, Michael und Karl-Ernst Müller im Fahrerlager zu Brünn, Martin Schreiber verstarb 1994, 55-jährig…

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