Meisterschaftsentscheidungen am Sachsenring

Erstmals wurde das Finale der ADAC-Rennserien sowie des Porsche Carrera Cups auf dem Sachsenring ausgetragen. Die Motorradrennstrecke ohne großflächige asphaltierte Auslaufzonen verlangt von den Piloten perfekte Konzentration und verzeiht nur wenige Fehler, das haben die Rennen auf der sächsischen Traditionsrennstrecke in den letzten Jahren gezeigt.

ADAC GT Masters

Am verregneten Freitag fanden die GT-Masters-Piloten über weite Strecken einen nassen Sachsenring zum Trainieren vor. Auch am Samstagmorgen mussten die Fahrer in ihren GT3-Boliden aufpassen, um nicht auf den feuchten stellen der tückischen, kurvenreichen Strecke auszurutschen. Am besten gelang das dem Holländer Indy Dontje, der den HTP-Mercedes 24 Tausendstelsekunden vor Dennis Marschall (HCB-Rutronik-Audi) auf die Pole Position setzte. Hinter Marvin Dienst (Schütz-Mercedes) war es David Jahn, der die RWT-Corvette sensationell in der zweiten Startreihe platzieren konnte. Zusammen mit Sven Barth pilotierte Jahn die einzige Corvette C7 GT3-R an diesem Wochenende, denn der zweite US-Sportwagen aus dem Hause Callaway, der sonst von Markus Pommer und dem Leipziger Marvin Kirchhöfer gefahren wird, war in den beiden Läufen in Hockenheim nach zwei heftigen Unfällen zu stark beschädigt.

Für das Rennen präsentierte sich der Sachsenring dann wieder in gänzlich trockenem Zustand, doch die enge erste Kurve sollte es wie immer in sich haben. Da sich Marschall und Jahn ins Gehege kamen und beide ins Kiesbett ausweichen mussten, präsentierten sich an der Spitze des Feldes zunächst die vier Mercedes von Dontje, Wishofer, Dienst und Eriksson.

Nach dem Fahrerwechsel setzte Maximilian Götz die fehlerfreie Fahrt seines Teamkollegen Indy Dontje fort, während seine Markenkollegen patzten. Bei Schütz Motorsport benötigte man für den Fahrerwechsel viel zu lange und beim Zakspeed-Mercedes von Jimmy Eriksson und Daniel Keilwitz wurde die Mindeststandzeit beim Boxenstopp nicht eingehalten. Mit über 31 Sekunden Vorsprung auf den Land-Audi von Christopher Mies und Max Hofer ging Götz schließlich als Sieger über den Zielstrich. Es war der erste Saisonsieg für die Marke mit dem Stern und es hätte leicht ein Dreifachsieg werden können. Mit Kelvin Snoeks und Mick Wishofer wurde der zweite Zakspeed-Mercedes kurz vor Rennende noch auf den vierten Platz verdrängt, vor ihren Teamkollegen Jimmy Eriksson und Daniel Keilwitz wurden Vierte. Die Aufholjagd des Tages legten Sven Barth und David Jahn auf den Asphalt. Sie erreichten das Ziel trotz des Zwischenfalls nach dem Start, der sie bis ans Ende des Feldes zurückwarf noch auf dem siebenten Platz.

Der mit seinem Teamkollegen Patric Niederhauser bereits als Meister feststehende Kelvin van der Linde sicherte sich für das Rennen am Sonntag die Pole Position vor den wiederum starken Mercedes AMG GT3 von Daniel Keilwitz und Maximilian Götz. Doch Götz wurde um drei Startplätze zurückversetzt, so dass die Audi R8 von Christopher Mies und Frank Stippler aus der zweiten Startreihe in das Rennen gingen. Die beiden machten das Beste aus ihrer Ausgangsposition und setzten sich in der ersten Kurve prompt an Daniel Keilwitz vorbei auf die Positionen zwei und drei. Mit einem diesmal besser getimten Boxenstopp mit dem Fahrerwechsel auf Jimmy Eriksson brachte sich das Zakspeed-Team jedoch wieder zurück in das Rennen um die Podiumsplatzierungen. Der junge Österreicher Max Hofer konnte dem Tempo von Eriksson nicht mitgehen und musste sich schließlich im Kampf um den zweiten Platz geschlagen geben. Vorn hatte Patric Niederhauser das Rennen im Griff und holte mit dem Sieg auch die Teammeisterschaft für HCB-Rutronik. Hinter dem Zakspeed-Mercedes von Eriksson/Keilwitz wurden Hofer/Mies Dritte, was Max Hofer den Sieg in der Juniorenwertung einbrachte.

ADAC GT4 Germany

Die Meisterschaftsentscheidung der Premierensaison der deutschen GT4-Serie sollte erst am Sachsenring fallennoch nicht gefallen. Die Hauptprotagonisten der Saison waren Gabriele Piana und Marius Zug auf BMW, Hamza und Jusuf Owega auf Mercedes und Eike Angermayr und Mads Siljehaug für KTM. Dass die Leistungen trotz der Markenvielfalt eng beieinander liegen zeigte Im ersten Qualifying Charles Fagg, der McLaren vom Team GT vor Claudia Hürtgen Bestzeit fuhr. Mit Jusuf Owega folgte in der zweiten Startreihe der erste Meisterschaftskandidat.

Die KTM X-Bow hatten sich im Training noch zurückgehalten. Mads Siljehaug, der den österreichischen Sportwagen im Verlauf der Saison mehrfach in eindrucksvoller Weise in Szene setzte, ging nur vom achten Startplatz aus ins Rennen. Auf der kurvigen Berg- und Talbahn kamen jedoch die Stärken des wendigen, leichten aber in Sachen Motorleistung schwächeren KTM mit 2-Liter-Audi-Motor zur Geltung. Während sich Owega in der ersten Kurve verbremste und entscheidende Positionen einbüßte, machte Siljehaug Platz um Platz gut. Die Aufholjagd ging nicht spurlos am Fahrzeug vorüber. Während Siljehaug den Wagen beim Boxenstopp an Eike Angermayr übergab, wurde die Fahrzeugfront von den Mechanikern in aller Eile mit Panzertape fixiert.

Mit einem frühen Boxenstopp trafen Marcel Marchewicz und Yves Volte in einem weiteren KTM X-Bow von Reiter Engineering die richtige Entscheidung. Sie konnte damit entscheidende Zeit gutmachen, während die Owega-Brüder mit einer nicht regelkonformen Einfahrt in die Boxengasse und einer anschließenden Durchfahrtsstrafe weiteren Boden verloren. Auch die anderen beiden KTM in den Händen von Lennart Marioneck und Reinhard Kofler waren unter den Top 10 zufinden, doch ausgerechnet Kofler geriet mit dem BMW von Gabriele Piana aneinander, was für die Meisterschaft nicht ohne Folgen blieb. Während Siljehaug/Angermayr (KTM) die volle Punktzahl für ihren Sieg kassierten, reichte es für Piana/Zug nur zum siebenten Platz. Die zunächst Zweitplatzierten Lars Kern und Jan Kasperlik wurden nachträglich aufgrund eines nicht reglementskonformen Teils an ihrem Porsche 718 Cayman disqualifiziert. Damit erbten Marchewicz/Volte (KTM) den zweiten Platz vor Kim Berwanger und Hendrik Still im Bernhard-Porsche und Jan Krabec/Lennart Marioneck (KTM).

Eine reine erste Startreihe für Reiter Engineering und KTM gab es am Sonntag für das zweite Rennen. Lennart Marioneck und Yves Volte führten das Feld beim Start an, doch Tim Heinemann nutzte die PS der langen Haube des Mercedes AMG GT4 und setzte sich sofort in Führung. Die Meisterschaft wurde dann leider nicht auf der Strecke entschieden. Der BMW M4 von Gabriele Piana und Marius Zug fiel mit technischem Defekt noch vor Rennhalbzeit aus.

Die Sieger am Sonntag: Jan Krabec und Lennart Marioneck

Am Samstag war es noch der HP-Racing-Mercedes von Wankmüller/Heinemann, der mit technischem Defekt an der Box gestrandet war, doch dieser führte nun das Rennen an. Aber Lennart Marioneck im KTM näherte sich dem Spitzenreiter mit großen Schritten und ging schließlich eine Viertelstunde vor Rennende in Führung. Der Sieg ging damit wieder an einen KTM X-Bow und auch der Meistertitel fiel in die Hände von Siljehaug/Angermayr, die das Rennen auf dem siebenten Platz beendeten. Hinter Wankmüller/Heinemann liefen Thomas Jäger und Michael Schrey im Hofor-BMW auf dem dritten Platz ein, Phil Dörr und Dennis Trebing im Dörr-McLaren wurden Vierte.

ADAC Formel 4

In der Startaufstellung zum ersten Rennen am Samstagvormittag begann es zu regnen und somit waren die Teams mit schnellen Reifenwechseln und Setup-Anpassungen in der Startaufstellung beschäftigt. Die Pole Position hatte der Meisterschaftsführende Théo Pourchaire vor Michael Belov herausgefahren und beide sollten trotz des kurzen Regenschauers mit profillosen Slicks in das Rennen gehen. Mit einem besseren Start ging Belov in Führung, während Joshua Dürksen in den schwierigen Mixbedingungen ins Kiesbett rutschte und so die erste Safety-Car-Phase auslößte.

Das hätte ins Auge gehen können: fast hätte Ido Cohen den liegengebliebenen Joshua Dürksen abgeräumt.

Nach dem Restart fuhr Belov das Rennen nach Hause, Pourchaire konnte den Schweizer Gregoire Saucy noch auf den dritten Platz verweisen, während sein ärgster Widersacher im Kampf um die Meisterschaft, Dennis Hauger, nach einem starken Rennen Vierter wurde.

Mit der gleichen Startaufstellung wie im ersten Rennen, aber ohne Reifenlotterie in der Startaufstellung ging es am Samstagnachmittag in das zweite Rennen. Wieder war es Belov, der den besten Start erwischte, doch bereits in der zweiten Runde ging Pourchaire wieder in Führung und gab diese bis ins Ziel nicht wieder her. Dennis Hauger, der zuletzt in Hockenheim als erster Fahrer überhaupt drei Siege an einem Wochenende feiern konnte, fuhr wiederum ein beeindruckendes Rennen und wurde Zweiter, vor Gianluca Petecof und Saucy.

Théo Pourchaire (21) siegte im zweiten Lauf.

Im dritten Rennen ging Roman Stanek vor Alessandro Ghiretti von der Pole Position aus ins Rennen. Doch den besten Start erwischte Joshua Dürksen, der sich hinter Ghiretti auf den zweiten Platz nach vorn schob und diesen nach dem ersten Renndrittel schließlich auch überholen konnte. Hinter ihm fuhr Dennis Hauger auf dem zweiten Platz wieder ein hervorragendes Rennen, doch weil Pourchaire auf dem siebenten Platz lag, musste Hauger gewinnen, um noch Meister zu werden.

Als dann Sebastian Estner mit Oliver Rasmussen aneinander geriet und das  Safety Car auf die Strecke musste, gab es neue Hoffnung für Hauger. Doch auch nach dem Restart fuhr Dürksen an der Spitze wieder davon und überquerte auch als Führender die Ziellinie. Ein Regelverstoß beim Restart – er hatte zu viel Abstand zum Safety Car gelassen – bedeutete eine nachträgliche Zeitstrafe für Dürksen und damit den Sieg für Hauger. Doch an der Meisterschaftsentscheidung zugunsten von Théo Pourchaire sollte das nichts mehr ändern. Der Frazose wurde schließlich nach dem Wertungsausschluss von Ghiretti (sein Fahrzeug unterschritt das vorgegebene Mindestgewicht) und einer Zeitstrafe für Rasmussen noch Zweiter, vor Arthur Leclerc, dem jüngeren Bruder von Formel-1-Pilot Charles Leclerc.

TCR Germany

Ein neuer Meister wurde auch in der ADAC TCR Germany noch gesucht. Mit Vorjahresmeister Harald Proczyk, dem Finnen Antti Buri, Max Hesse und Mike Halder gab es noch vier mögliche Meisterschaftskandidaten. Für das erste Rennen fuhr jedoch Lokalmatador Dominik Fugel die Pole Position vor Teamkollege Mike Halder heraus. Der Sachse konnte sich vom Start weg in Führung setzen und siegte nach 21 Runden vor Buri und Halder.

Am Sonntag waren es Philipp Regensperger im Lubner-Astra, der von der Pole Position aus vor Marcel Fugel, dem jüngeren Bruder des Laufsiegers am Samstag, ins Rennen ging. Doch die Freude sollte nicht lange halten. Erst wurde Regensperger am Start durchgereicht, dann fiel der Opel-Pilot ganz aus. An der Spitze setzte sich Max Hesse im Hyundai gegen die beiden Honda-Piloten Marcel Fugel und René Münnich durch.

Schließlich lagen die vier Meisterschaftskandidaten Hesse, Proczyk, Buri und Halder in dieser Reihenfolge an der Spitze des Rennens. Als sie auf die Waldenburgerin Sophie Hofmann aufliefen, die sich bei ihrem Heimrennen einen Gaststart in der TCR Germany gönnte, sich allerdings schon im Training mit gut fünf Sekunden Rückstand auf den Vorletzten qualifizierte. Als die Spitze des Rennens auf Hofmann aufschloss, suchte diese vorsichtshalber das Kiesbett auf und sorgte so für eine Safety Car Phase. In einem Sprint über eine Runde fiel am Ende die Meisterschaftsentscheidung zugunsten von Max Hesse, der das Rennen in der letzten Kurve am Queckenberg gegen Antti Buri erst verlor, aber dann doch gewann. Antti Buri bekam eine Zeitstrafe aufgebrummt und wurde Dritter, Hesse erbte den Sieg vor Markenkollege Harald Proczyk.

Max Hesse ist damit nach dem Briten Josh Files und dem Österreicher Harald Proczyk der erste Meister der TCR Germany aus Deutschland.

Porsche Carrera Cup

Der Holländer Larry ten Vorde sicherte sich die Pole Position auf dem Sachsenring vor Michael Ammermüller und dem Meisterschaftsführenden Julien Andlauer. Den besten Start erwischte Ammermüller, der die Führung bis ins Ziel nicht mehr abgeben sollte. Er gewann das Rennen vor Larry ten Voorde , Dylan Pereira und Julien Andlauer. Fünfter wurde mit Jaxon Evans der beste Juniorenpilot.

Das alles entscheidende Rennen am Sonntag ging an Larry ten Voorde, der diesmal den besseren Start gegenüber Michael Ammermüller hinlegte. Dritter wurde überraschend der Pole Igor Walilko vor Rookie Jaxon Evans und David Kolkmann. Andlauer ging kein unnötiges Risiko ein, ihm reichte der neunte Platz zum Gewinn der Meisterschaft.

Larry ten Voorde

Der vorläufige Kalender der ADAC-GT-Masters-Saison 2020 wurde im Rahmen des Finalwochenendes ebenfalls vorgestellt. Traditionell wird der Auftakt wieder Ende April in der Motorsport Arena Oschersleben über die Bühne gehen. Auch Most, Red-Bull-Ring, Nürburgring und Zandvoort sind gesetzt. Hinter dem vorletzten Rennen in Hockenheim steht noch ein Fragezeichen, der Saisonabschluss, das steht schon jetzt fest, wird am 02.-04.10.2019 wieder auf dem Sachsenring ausgetragen.

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe Meisterschaftsentscheidungen live mitverfolgt. Es war wirklich sehr spannend. Jan Krabec und Lennart Marioneck habe sich sehr gut geschlagen. Ich freue mich auf weitere Meisterschaftsentscheidungen.
    Liebe Grüße,
    Roman

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.