Noch keine IDM-Meisterschaftsentscheidung am Sachsenring

Doppelsieg am Sachsenring für Martin Bauer

Die Ruhe vor dem Sturm – Während der Warm-Up-Sitzungen hing dichter Nebel über der Strecke

Vor 17.800 Zuschauern war die Seitenwagen-WM im Rahmen der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft am Sachsenring am Start. Zwar ist die Weltmeisterschaft 2005 schon entschieden, aber trotzdem folgten viele Fans der Einladung nach Sachsen. Bereits im Juli war die Sidecar-WM auf dem Schleizer Dreieck am Start. Da das Saisonfinale im russischen St. Petersburg gestrichen wurde, verlegte man die letzten zwei Läufe in das Rahmenprogramm der IDM.

Seitenwagen-WM:

Weltmeister 2005 – Tim und Tristan Reeves

Einen Vorgeschmack auf das Rennen der Seitenwagen-WM lieferte ein 10 Runden langes Sprintrace am Samstag. Die Pole-Position dafür sicherte sich das Team Manninen/Kuismanen (FIN), doch schon nach der ersten Runde führten die Gebrüder Reeves aus Großbritannien, die Bereits als Weltmeister 2005 feststehen. Ihnen folgten Manninen/Kuismanen, Päivärinta/Wall (FIN/SWE)und Gällros/Briggs (SWE/GBR) auf Position vier. Der Sachse Uwe Göttlich mit Beifahrer Peter Höss lag zu diesem Zeitpunktauf noch auf einem guten neunten Platz. Doch in dem engen Feld machten sich die fehlenden PS des Lausitzer Gespanns bemerkbar. Auf den Geraden verlor Göttlich Platz um Platz. Im Ziel musste man sich mit der 13. Position zufrieden geben. Reeves/Reeves konnten über solche Probleme nicht klagen. Sie zogen der Konkurrenz mit über zehn Sekunden Vorsprung souverän davon und gewannen den Auftakt am Sachsenring. Manninen/Kuismanen überquerten als Zweite die Ziellinie, während Gällros/Briggs in den letzten Runden noch das Gespann Päivärinta/Wall vom dritten Platz abfangen konnten. Bestes Deutscher wurde Mike Roscher mit Adolf Hänni (SUI) auf Position elf.

Reeves/Reeves aus der Sicht ihrer Konkurrenten

Marathonprogramm – Mike Roscher und Adolf Hänni starteten in der Seitenwagen-WM und in der IDM-Seitenwagen

Das Gold-Race am Sonntag über 22 Runden gewannen, wie nicht anders zu erwarten wieder die Briten Tim und Tristan Reeves auf ihrem LCR-Suzuki-Gespann. Überlegen nutzten sie die Power ihrer Maschine um sich gegen die Vizeweltmeister Manninen/Kuismanen durchzusetzen. Auf Platz drei kam überraschend das Französische Wildcard-Team Sebastian Delonnoy/Nicolas Bidaut ins Ziel. Beste Deutsche waren Mike Roscher/Adolf Hänni (GER/SUI). Sie belegten Platz 7. Zum Abschluss des Rennwochenendes wurden die neuen Seitenwagen-Weltmeister offiziell geehrt.

IDM-Superbike:

Michael Schulten stürzte im zweiten Superbike-Lauf und büßte wichtige Meisterschaftspunkte ein

Der erste Lauf der IDM Superbike am Rennsonntag musste nach einem Sturz von Stefan Nebel in der zweiten Runde abgebrochen werden. Nebel fuhr auf der Start- und Zielgeraden auf die plötzlich wegen technischer Probleme langsamer werdende Suzuki des Österreichers Andreas Meklau auf. „Das ist wie wenn plötzlich vor einem eine Mauer hochzezogen wird“ kommentierte Stefan Nebel den kuriosen Zwischenfall. Nach dem Neustart konnte der Honda-Pilot Martin Bauer (AUT) sofort entscheidende Meter zwischen sich und seine Konkurrenten bringen. Auch Stefan Nebel war mit seiner Ersatzmaschine wieder mit von der Partie. Michael Schulten, der vom vierten Startplatz nur einen mäßigen Start erwischte, arbeitete sich derweil wieder bis auf Position zwei vor, jedoch war bereits ein 3,5 Sekunden großes Loch zwischen ihm und Spitzenreiter Bauer gerissen. Hinter Schulten fighteten das Yamaha-Duo Philipp Hafeneger und Stefan Nebel, sowie MV Agusta-Pilot Jörg Teuchert und Christian Kellner. Der Abstand zwischen den Führenden blieb konstant bei vier bis fünf Sekunden. In den letzten Runden entbrannte nochmals ein Kampf um den zweiten Platz. Michael Schulten gelang es jedoch Teucherts Angriff abzuwehren. Im Ziel trennten die beiden nur 0,3 Sekunden. Martin Bauer, der seit dieser Saison die IDM-Superbike bestreitet, meinte zu seinem ersten Sieg in dieser Klasse, dass seine „Taktik gut aufgegangen“ sei. Didier Grams aus Limbach-Oberfrohna wurde 16.

Die MV Agusta von Jörg Teuchert streikte im zweiten Rennen der Superbikes

Didier Grams (Nr. 26) landete beim Gaststart in der IDM-Superbike unter den ersten 15

Brach sich beim Gaststart in der Superbike-WM das Handgelenk – Ralf Waldmann musste am Sachsenring zuschauen

Der zweite Lauf begann, wie der erste endete. Martin Bauer gelang es einmal mehr sich vom Start weg an Position eins und sein eigenes Rennen zu fahren. Dahinter lagen mit etwas Abstand Teuchert und Schulten. In Runde drei musste Michael Schulten zu Boden und begrub damit seine Chancen auf eine Podiumsplatzierung. Nun führte der Österreicher Bauer vor Teuchert und einer Gruppe, die u.a. aus den Yamaha-Deutschland-Fahrern Philipp Hafeneger und Stefan Nebel und dem Suzuki-Trio Andreas Mekau (AUT), Markus Wegscheider (ITA) und Christian Kellner (Waging) bestand. Doch auch Jörg Teuchert auf der MV Agusta konnte die zweite Position nicht halten. Bei ihm streikte der Motor. Nachdem auch Philipp Hafeneger bei einer Überrundung mit einem langsameren Fahrer kollidierte und stürzte, bildete sich ein Trio, das um die Vergabe der Plätze zwei bis vier stritt. Dabei setzte sich der Österreicher Andreas Meklau gegen den gehandicapten Stefan Nebel durch, der sich bei seinem Auffahrunfall eine Brandwunde am Bein zuzog. Auf Platz vier kam Christian Kellner ins Ziel. Der leider nicht punkteberechtigte Gaststarter Didier Grams wurde Zwölfter.

IDM 125:

Stefan Bradl und Patrick Unger fuhren bei den 125ern in einer anderen Liga

In der Klasse bis 125 Kubikzentimeter standen mit Patrick Unger (Oberlungwitz/Startplatz 2) und Georg Fröhlich (Wechselburg/Startplatz 4) gleich zwei Fahrer der Region in der ersten Reihe. Die der Pole-Position sicherte sich Stefan Bradl auf der KTM, sein österreichischer Teamkollege, der Meisterschaftsführende Michael Ranseder auf Startplatz drei schon 1,5 Sekunden langsamer als das bayrische Leichtgewicht. Den Start entschied Ranseder jedoch für sich, aber schon in der ersten Runde ging ihm seine KTM fest und Ranseder musste das Rennen aufgeben. Nun hing es an Bradl die Ehre der „Orangen“ zu retten. Zusammen mit Aprilia-Pilot Patrick Unger stürmten er dem Feld davon. Auch Georg Fröhlich konnte das Tempo der beiden nicht mitgehen. Über die gesamte Rennlänge lag das Duo Bradl/Unger souverän an der Spitze des Feldes. Unger hob sich seinen Angriff für die letzte Runde auf, doch einige Überrundungen machten es schwierig den Überblick zu behalten. Schließlich bremste Patrick Unger am Queckenberg später als sein Konkurrent, doch Stefan Bradl konnte mehr Schwung über den Berg mitnehmen und siegte mit 0,046 Sekunden Vorsprung vor Unger, der damit den zweiten Platz belegte. Bradl führt damit vor dem letzten Rennen in Hockenheim die IDM 125 mit 6 Punkten vor Teamkollege Ranseder an. Georg Fröhlich sah sein einsames Rennen positiv: „Ich habe nicht den zweiten Platz verloren, sondern den dritten gewonnen“, so der Sachse nach seinem Rennen. Fröhlichs Teamkollege Eric Hübsch aus Lichtenstein konnte an seinem Heimrennen leider nicht teilnehmen, er brach sich im Training das Handgelenk. Felix Kertzscher (Lichtenau) erzielte mit Platz 17 seine ersten IDM-Punkte, da vier Gaststarter vor ihm nicht punkteberechtigt waren.

IDM-Supersport:

IDM-Supersport-Titel fest im Visier – Kai Borre Andersen

Podestplatzierung beim Heimrennen – Arne Tode

Das Rennen der IDM-Supersport entschied sich – ähnlich wie in Oschersleben vor zwei Wochen – in einer Spitzengruppe, die das ganze Rennen über eng zusammen war. Der von Position vier gestartete Glauchauer Arne Tode war ebenso mit in dieser Gruppe wie sein belgischer Honda-Teamkollege Werner Daemen und der Norweger Kai Borre Andersen auf Kawasaki. Roman Stamm (SUI) hieß der vierte Fahrer im Bunde. Zehn Runden lang konnte Arne Tode seine Führung in der Spitzengruppe behaupten, dann jedoch musste er diese erst an Kai Borre Andersen und dann auch an seinen Teamkollegen Werner Daemen hergeben. Obwohl es letztendlich noch für einen Podiumsplatz reichte war der Sachse mit seinem Rennen nicht zufrieden. Am Ende wurde er aber noch als Zweiter gewertet und Roman Stamm als Dritter, da Daemen nach dem Rennen wegen eines Technikverstoßes disqualifiziert wurde. Rigo Richter musste nach einem Sturz im Training das Rennen als Zuschauer verfolgen.

IDM-Seitenwagen:

Mit Sieg auf Meisterschaftskurs – Josef Moser und Ueli Waefler

Nach seinem Ausstieg aus der Seitenwagen-WM konzentriert sich Jörg Steinhausen mit Beifahrer Axel Kölsch ausschließlich auf die verbleibenden IDM-Rennen. Erwartungsgemäß legte der Deutsche die schnellste Zeit im Qualifying hin, aber als er in der Startaufstellung nochmals die Kette wechseln wollte war die Zeit zu knapp, sodass das Rennen ohne ihn gestartet werden musste. Josef Moser und Ueli Waefler (AUT/SUI) legten den besten Start hin, es folgten Göttlich/Höss und Roscher/Hänni (GER/SUI), die gerade noch in der Seitenwagen-WM am Start waren. Mike Roscher gelang es zuerst Göttlich zu passieren und dann den Abstand zwischen sich und Josef Moser zu verkleinern. Nachdem er sogar kurz in Führung lag, machten ihm seine Reifen leider einen Strich durch die Rechnung. Auf der Ziellinie fehlten Roscher gerade einmal 0,3 Sekunden für den Sieg. Markus Schlosser aus der Schweiz wurde mit Beifahrer Andreas Kolloch Dritter, weil sie in der Anfangsphase mit dichtem Verkehr zu kämpfen hatten und zu viel Zeit auf die Führenden verloren. In der Meisterschaft liegt Moser/Waefler nun mit 19 Punkten vor Steinhausen/Kölsch, die beim Saisonfinale in Hockenheim Erste oder Zweite werden müssen um den Titel zu verteidigen.

Die Arbeiten am neuen Pressezentrum des Sachsenring gehen voran

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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