Power frei – 7. Freies Bergrennen für Automobile in Waldau

Versteckt in den Thüringer Bergen fand nunmehr schon zum siebenten Mal das „Freie Bergrennen für Jedermann“ auf der 1,95 Kilometer langen Bergrennstrecke Waldau-Steinbach statt. In den 1970er Jahren wurde die Strecke in der Nähe von Suhl bereits für Bergrennen genutzt. Heute ist dieser südliche Zipfel Thüringens durch die Autobahnen A71 und A73 gut erreichbar.

Gesamtsieger Sascha Gallert im Nissan GT-R

Gesamtsieger Sascha Gallert im Nissan GT-R

Zunächst darf die Frage erlaubt sein, warum veranstaltet man ein Bergrennen ohne Prädikat? Die Antworten sind: um Fahrer ohne Lizenz kostengünstig in den Motorsport hineinschnuppern zu lassen oder weil man sich als Veranstalter nicht an eine Serie binden will. So ist es möglich mit einem straßenzugelassenen Fahrzeug ohne Sicherheitskäfig und ohne Motorsporterfahrung zu starten. In der Fahrerbesprechung wurden die einzigen Voraussetzung klar definiert: „Fest sitzender zugelassener Helm und alle Fenster geschlossen – sonst wird die Zeit gestrichen.“ Die 80 Startplätze waren für 2014 innerhalb von zwei Tagen vergeben! Diese Veranstaltung ist deutschlandweit einmalig.

Christian (l.) und sein Vater Werner Kernchen mit dem Radical

Christian (l.) und sein Vater Werner Kernchen mit dem Radical

Unter den Fahrern sind auch einige bekannte Namen. So startet zum Beispiel der einheimische Christian Kernchen, Sohn von Werner und Neffe von Norbert Kernchen aus Meiningen, allesamt Urgesteine des DDR-Automobilrennsports. Er ist ein Kenner der Strecke und auch bereits in vielen anderen Serien unterwegs gewesen. „Aber die meisten dieser Serien haben sich technisch und damit auch finanziell auf ein zu hohes Niveau entwickelt.“ Beim freien Bergrennen bewegt er als einziger ein Fahrzeug ohne Dach, einen Radical SR4 Clubsport. Deshalb startete er auch nur in den trockenen Trainingssitzungen, wo er einen vierten Platz erreichte.

Christian Kernchen im Radical mit Motorradmotor

Christian Kernchen im Radical mit Motorradmotor

Der Vater Werner Kernchen baut gerade einen Skoda 130RS neu auf. Doch auch im Oldtimersport, so Kernchen, werden mittlerweile fünfstellige Summen für Aggregate verbaut. Dann ist da noch Sascha Gallert aus dem baden-württembergischen Besigheim, der einen Nissan GT-R mit circa 500 PS an den Start bringt. Er nimmt zum ersten Male teil und brennt gleich im Training Bestzeiten in den teilweise noch feuchten Asphalt. „Sonst fahre ich zum Beispiel beim ‚Freien Fahren‘ auf dem Hockenheimring.“ Mit so einem Kraftpaket kann er hier, ohne viel Risiko einzugehen, vorn mitfahren.

Olaf Dobberkau

Olaf Dobberkau

Am Sonntag reiste noch Olaf Dobberkau an, der tags zuvor bei der Sachsen-Rallye den zweiten Platz hinter Ruben Zeltner belegte. Schon sein Großvater Fritz Dobberkau startete 1926-1928 als Zweiradfahrer bei vielen thüringer Bergrennen und auf dem Schleizer Dreieck auf einer Ardie-Sport. „Wir pflegen in der Firma ein großes Traditionsbewusstsein und haben eine kleine Ecke zur Ehrung an den Großvater eingerichtet. Jede Information dazu ist uns willkommen.“ Weitere Highlights für die Besucher waren die Fahrzeuge der Gymkhana Driftshow.

Guido Tschugg war der Schnellste der Klasse 1.2

Guido Tschugg war der Schnellste der Klasse 1.2

Die Organisation hat sich von Veranstaltung zu Veranstaltung verbessert, versichern die schon geübten Zuschauer. Regen- und Hagelschauer haben leider den Sportplatz als Fahrerlager zu einem Schlammplatz werden lassen. So sahen die meisten Fahrzeuge lehmig wie Rallyefahrzeuge aus, was aber wiederum bei den Zweierbesatzungen, die auch zugelassen waren, nicht auffiel. Das Bergrennen war eben wie eine Rallye-Sonderprüfung. Alles in allem eine empfehlenswerte Veranstaltung zum Mitmachen für kleines Geld und zum hautnahen Dabeisein für Besucher.

Die Gesamtwertung nach drei Wertungsläufen, wobei die absolut schnellste Zeit gewertet wurde:

1. Sascha Gallert Besigheim Nissan GT-R Klasse 1.1 1:18,90
2. Olaf Dobberkau Schleusingen Porsche 997 GT3 a. Konkurrenz 1:20,62
3. Eberhard Fuchs Brotterode Audi S1 Sport Quattro a. Konkurrenz 1:21,91
4. Sebastian Schmidt Schmiedefeld Audi 80 Avant S2 a. Konkurrenz 1:22,67
5. Guido Tschugg Pittenhart Mitsubishi Lancer Evo 7 RS Klasse 1.2 1:23,01
6. Jörg Bergbauer Forchheim BMW Z4 M Coupe Klasse 1.1 1:23,34
7. Kevin Zuschlag AUT Mitsubishi Evo 7 RS 2 Klasse 1.2 1:23,59
8. Jens Gusdorf Remscheid Subaru Impreza WRX Klasse 1.2 1:25,60
Mike Jordan

Mike Jordan

mikejordan@motorrennsportarchiv.de

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Betr.:Power frei – 7. Freies Bergrennen für Automobile in Waldau

    Es wäre schön, wenn solche Veranstaltungen vier bis sechs Wochen vorher angekündigt werden würden, damit man(n) seine Teilnahme vorbereiten kann…

    Wo gibt es die Ausschreibung oder Veranstalterkontaktdaten?

    Antworten

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