René Rast und Kelvin van der Linde siegen am Sachsenring und setzen sich an der Tabellenspitze ab

Wie bereits im vergangenen Jahr erlebten die Fahrer des ADAC GT Masters bei ihrem Gastspiel auf dem Sachsenring eine Mischung aus Regen und Sonnenschein. Auch die Piloten der Rahmenrennserien trafen die wechselhaften Bedingungen. Die zahlreichen wetterfesten Zuschauer wurden für ihr Kommen dennoch mit spannenden Rennverläufen belohnt, denn zwischen den teilweise heftigen Schauern trocknete die Strecke auch immer wieder ab und machte Reifenwahl und Rennabstimmung zu schwierigen Aufgaben für die Rennfahrer.

Die Tabellenführer Kelvin van der Linde und René Rast vom Team Prosperia C. Abt Racing wollten das vorletzte Rennwochenende der Saison nutzen, um ihre Ausgangsposition im Titelkampf zu festigen. Mit drei Punkten Vorsprung auf Porsche-Pilot Jaap van Lagen gingen sie bei trockenen Wetterbedingungen von der Pole-Position aus in das Rennen am Samstagmittag. Der erst 17jährige Südafrikaner van der Linde musste in der ersten Rennhälfte die Angriffe von Christian Engelhardt abwehren. Engelhardt hatte im Schütz-Motorsport-Porsche einen guten Start erwischt.

Lokalmatador Philip Geipel schrieb fleißig Autogramme

Lokalmatador Philip Geipel schrieb fleißig Autogramme

Nicht so gut lief es für die Lokalmatadoren von YACO Racing. Das Team um Philip Geipel hatte mit Markus Winkelhock einen neuen Teamkollegen verpflichten und mit Platz vier einen hervorragenden Startplatz herausfahren können. In der engen Startphase fiel der silber-grüne Audi R8 des Plauener Teams jedoch zurück. An Geipel vorbei zog unter anderem Luca Stolz, der im Buchbinder-Mercedes SLS bis auf den dritten Platz nach vorn schoss. Der lange Zeit schnellste Flügeltürer im Feld fiel im späteren Rennverlauf jedoch wieder zurück und kam nur auf dem siebenten Platz ins Ziel. Grund dafür war eine Durchfahrtsstrafe wegen überhöhter Geschwindigkeit in der Boxengasse, als Luca Stolz das Steuer an Maximilian Götz übergab. Götz hatte seinerseits noch Außenseiterchancen auf den Titel, welchen er durch dieses Malheur nun endgültig abschreiben kann. An der Spitze fuhr unterdessen René Rast den Sieg ungefährdet nach Hause.

Jaap van Lagen

Jaap van Lagen

Auch Jaap van Lagen konnte den Druck auf den führenden Audi nicht erhöhen, nachdem er von Christian Engelhardt übernommen hatte. Den dritten Platz erbte das Schubert-BMW-Team aus Oschersleben. Dank einer klugen Boxenstopptaktik und der Drive-Through-Strafe für den Buchbinder-Mercedes kamen Dominik Baumann und Claudia Hürtgen schließlich noch auf das Podest. Die Meisterschaftsdritten Baumann/Hürtgen hielten den Punkteverlust damit gering. Hinter dem Farnbacher-Porsche von Asch/Frommenwiler konnte Markus Winkelhock im YACO-Audi noch auf den fünften Platz nach vorn fahren. Dahinter folgte der Querfurter Jan Seyffarth, der sich den ROWE-Mercedes mit Maro Engel teilt.

Nicht optimal verlief das erste Rennen des Wochenendes für den Meisterschaftsvierten Daniel Keilwitz. Teamkollege Andreas Wirth konnte die mit Zusatzgewichten versehene Chevrolet Corvette nur auf Startplatz 17 qualifizieren. Im Rennen kam Wirth dann aufgrund eines Kommunikationsfehlers des Callaway-Teams versehentlich eine Runde zu früh an die Box. Später musste Keilwitz die Corvette mit technischen Problemen sogar ganz abstellen.

Nach einem trockenen Sonntagvormittag verdichteten sich die dunklen Regenwolken zum high noon. Der Rennstart zum zweiten Lauf erfolgte wieder pünktlich um 12 Uhr mittags, die Strecke war da allerdings noch trocken und so starteten alle Teams auf Slicks. Nicki Thiim konnte seine Pole-Position nicht verteidigen und ließ René Rast im Schwesterauto den Vortritt. Für Daniel Dobitsch, im kfzteile24.de-Audi von Platz zwei gestartet, war das Rennen nach schlechtem Start und Dreher in Kurve 1 bereits gelaufen. Ein weiterer Verliererdes Starts war Meisterschaftsanwärter Jaap van Lagen, der von Platz drei auf neun zurück fiel und den Heckflügel seines Schütz-Porsche beschädigte. Besser machte es Markus Winkelhock im YACO-Audi, der sich im Startchaos von Platz sechs auf vier verbesserte.

Nach 25 Minuten öffnete sich das Boxenstoppfenster für den Fahrerwechsel. Die Teams zögerten ihre Stopps heraus, denn der Nieselregen wurde stärker. Doch für einen Reifenwechsel war es nicht nass genug. Bei Schubert-Motorsport holte man Jens Klingmann früh herein und schob sich mit dieser Taktik auf den dritten Platz nach vorn. Mit Max Sandritter am Steuer des Schubert-BMW konnte man sogar auf Fabian Hamprecht aufschließen, der den Abt-Audi von Nicki Thiim übernommen hatte.

Acht Minuten vor Ende des Rennens kam dann der lange erwartete Regen. Da beim Reifenwechsel nur zwei Mechaniker erlaubt sind und der Zeitverlust dementsprechend hoch wäre, fuhren fast alle Teams bis zum Schluss auf der extrem rutschigen Strecke mit Slicks.

An der Spitze fuhr Kelvin van der Linde trotz verlorener Diffusor-Platte am Heck des Audi R8 den zweiten Sieg des Wochenendes nach Hause. Hinter ihm arbeitete sich Robert Renauer im Herberth-Porsche unterdessen bis auf den zweiten Platz nach vorn. Renauer kam mit den regnerischen Bedingungen so gut zurecht, dass er beinahe noch zu van der Linde aufschloss, doch die Zielflagge kam für den Abt-Audi Piloten gerade noch rechtzeitig. Dritte wurden Hamprecht/Thiim vor Philip Geipel und Markus Winkelhock, die das Heimrennen für YACO Racing auf einem guten vierten Platz beendeten.

Noch hält Max Sandritter die dritte Position. Robert Renauer (ganz hinten) kämpft sich noch auf Platz zwei nach vorn.

Noch hält Max Sandritter die dritte Position. Robert Renauer (ganz hinten) kämpft sich noch auf Platz zwei nach vorn.

In der Meisterschaft liegen Rast und van der Linde nun souverän vorn. Claudia Hürtgen drehte sich im Kampf mit Philip Geipel kurzzeitig ins Aus, Jaap van Lagens Team Schütz-Motorsport ließ den kaputten Heckflügel beim Fahrerwechsel zeitaufwändig reparieren, so dass Christian Engelhardt keine Chance mehr hatte das Rennen in den Punkten zu beenden.

Vor dem Meisterschaftsfinale in Hockenheim in zwei Wochen hat Jaap van Lagen nun 35 Punkte Rückstand auf das Abt-Duo van der Linde/Rast. Doch auf dem Baden-Württembergischen Kurs sind die Porsche, anders als die Audi, traditionell stark. Man darf also weiterhin gespannt sein.

ATS Formel 3 Cup:

Markus Pommer sicherte sich in einer wahren Regenschlacht seinen zwölften Saisonsieg und die vorzeitige Meisterschaft im ATS-Formel-3-Cup. Im zweiten Rennen hatte Sam MacLeod auf abtrocknender Strecke seine Gegner im Griff. Rennen 3 ging bei auf nasser Strecke mit einem Start-Ziel-Sieg wiederum an Pommer.

ADAC Formel Masters:

Auch bei den jüngeren Nachwuchspiloten wurde der Titel bereits vorzeitig am Sachsenring vergeben. Der Däne Mikkel Jensen sicherte sich mit zwei Siegen am Samstag den letzten ADAC-Formel-Masters-Titel, denn im nächsten Jahr wird die neu geschaffene Formel 4 den Kart-Nachwuchs an die höheren Rennklassen heranführen. Wegen starker Regenfälle musste der dritte Wertungslauf des Wochenendes mit Verspätung hinter dem Safety-Car gestartet werden. Maximilian Günther vom Team Mücke Motorsport nutzte die freie Sicht und siegte.

ADAC Procar:

Heiko Hammel und Steve Kirsch sicherten sich schon im Samstagslauf den Titel ihrer jeweiligen Klasse. Während Hammel in der Division 1 hinter dem Plauener Charlie Geipel und Johannes Leidinger Dritter wurde, siegte Kirsch zunächst. Später wurde der Hohenstein-Ernstthaler mit einer 30-Sekunden-Strafe wegen eines Überholmanövers hinter dem Safety-Car belegt und fiel damit auf den dritten Platz hinter Dirk Lauth und Kai Jordan zurück. Die Punkte reichten dennoch für die Meisterschaft. Am Sonntag durfte Kirsch seinen Sieg behalten. Charlie Geipel siegte in der Division 1, nachdem das Rennen wegen eines Überschlags von Reinhard Nehls abgebrochen werden musste.

Steve Kirsch sicherte sich beim Heimspiel auf dem Sachsenring den Meistertitel der ADAC Procar Division 3

Steve Kirsch sicherte sich beim Heimspiel auf dem Sachsenring den Meistertitel der ADAC Procar Division 3

Porsche Carrera Cup:

Erstmals seit 2002 trug der Porsche Carrera Cup wieder Rennen auf der sächsischen Traditionsrennstrecke aus. Beim ersten Lauf am frühen Samstagnachmittag begrüßte der Sachsenring den 36 Wagen starken Markenpokal mit einem Gewitterguss. Michael Ammermüller, der bereits eine Woche zuvor am Lausitzring zwei Mal siegreich war, kam mit den schwierigen Bedingungen am besten zurecht und konnte die Führung behaupten. In einem sehenswerten Duell mit Teamkollege Nicki Thiim zog er am Schluß jedoch den Kürzeren. Mit dem zweiten Platz konnte sich der Bayer an der Tabellenspitze dennoch weiter von Christian Engelhardt absetzen, der die Zielflagge als Dritter sah.

Auf trockenem Geläuf übernahm Nicki Thiim am Sonntagvormittag gleich vom Start weg die Führung vor Ammermüller. In souveräner Manier fuhr der Sohn des ehemaligen Deutschen Tourenwagen Meisters Kurt Thiim seinen zweiten Sieg nach Hause. Ammermüller wurde wiederum Zweiter, den dritten Platz errang Porsche-Junior Sven Müller.

Nicki Thiim führt die Porsche-Meute in die erste Kurve.

Nicki Thiim führt die Porsche-Meute in die erste Kurve.

EuroV8 Series:

Für die Premiere der EuroV8 Series auf dem Sachsenring hatte Petrus Regen vorgesehen. Der tschechische Audi-Pilot Tomas Kostka kam mit diesen Bedingungen besser klar als seine überwiegend aus Italien stammenden Konkurrenten. Seine Audi-Sport-Italia-Teamkollegen Emanuele Zonzini und Ermanno Dionisio belegten die Plätze zwei und drei.

Mike Jordan

Mike Jordan

mikejordan@motorrennsportarchiv.de

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