Sportwagenfest auf dem Sachsenring

Christian Hohenadel und Andrea Piccini auf dem Hexis-Aston-Martin fanden sich auf der sächsischen Berg-und-Talbahn am besten zurecht.

45.000 Zuschauer sahen bei meist sonnigem Wetter den ersten Automobil-Weltmeisterschaftslauf, der je auf dem Sachsenring stattfand. Es handelte sich um einen Lauf zur FIA GT1 World Championship für Sportwagen, der einzigen Rennserie mit Weltmeisterschaftsprädikat der FIA neben der Formel-1-WM, der Rallye-WM und der Tourenwagen-WM.

FIA GT1 WM

Von Platz 14 zum Sieg – Maxime Martin und Fred Makowiecki siegten auch dank eines perfekten Boxenstopps im Qualirennen.

Im Qualifikationsrennen am Samstag wurde die Startreihenfolge mächtig durcheinandergewirbelt. Die Trainingsschnellsten Schwager/Pastorelli im Lamborghini des sächsischen Team All-Inkl.com Münnich Motorsport aus Friedersdorf in der Oberlausitz patzten beim Boxenstopp und fanden sich nach der Führung auf Platz 9 wieder. Von da konnten sie sich noch auf Platz 7 verbessern. Kurz vor Ende des Rennens wäre das beim Angriff auf den 5. des Feldes aber fast ganz schief gegangen, denn da fanden sie sich ausgangs Start und Ziel im Kies wieder. Sieger wurde das belgisch-französische Team Martin/Makowiecki nach einer bravourösen Aufholjagd mit dem Ford GT Matech, vom 14. Startplatz kommend. Vanina Ickx kollidierte mit Bas Leinders bereits in der Startkurve, womit zwei Ford schon in der ersten Runde ausschieden.

Stefan Mücke (links) und Darren Turner steuerten den Young-Driver-Aston-Martin zwei Mal auf den dritten Rang.

Im Hauptrennen, geprägt von einer starken Dezimierung des Feldes, konnten dann Schwager/Pastorelli auf Platz zwei punkten. Sieger wurden Christian Hohenadel und Andrea Piccini im Aston Martin des französischen Hexis AMR Teams. Sie übernahmen damit nach vier Rennen auch die Führung in der Gesamtwertung von Winkelhock/Basseng (Lamborghini/ Team All-Inkl.com Münnich Motorsport), die aufgrund ihrer Erfolge 45 kg Zusatzgewicht im Auto hatten, und im Hauptrennen Opfer einer nicht richtig angezogenen Radmutter wurden und ausfielen. Stephan Mücke und Darren Turner fuhren für das Young Driver Aston Martin Racing Team zweimal auf Platz 3 und nehmen auch in der Gesamtwertung Platz 3 ein.

ADAC GT Masters

Souveräner Sieg im ersten Lauf – Luca Ludwig und Christopher Mies.

Das erste Rennen war von zwei Ereignissen geprägt. Zum einen von der Überlegenheit der Abt-Truppe, die mit Ludwig/Mies und Jöns/Klingmann einen Doppelsieg feierte. Zum anderen vom Startunfall von Robert Renauer, welcher von Christian Frankenhout angeschoben wurde, Philip Geipel mitriss und sich dann überschlug. Sowohl von Renauer als auch von Geipels Teamkollege Albert von Thurn und Taxis gab es heftige Worte. Die Mercedes SLS selbst stehen ebenfalls heftig in der Kritik. Zum einen kann der Fahrer seine Front beim Fahren schlecht einsehen und abschätzen. Zum anderen ist kein Notfallsystem zur Öffnung der Flügeltüren vorhanden, um den Fahrer aus dem auf dem Dach liegenden Wagen zu bergen.

Andreas Simonsen (links) und Christopher Haase gewannen die Reifenlotterie am Sonntag.

Das zweite Rennen am Sonntag, wurde am Start von einem kurzen aber heftigen Regenschauer überrascht und kurzerhand zum Wet-Race erklärt. Nach drei Runden hinter dem Saftycar startete das Feld, einige Teams mit Regenreifen, die anderen mit Slicks. So konnte der BMW Alpina bis zu 14 Sekunden Vorsprung herausfahren und blieb trotz einer Stop-and-Go-Strafe Spitzenreiter. Letztendlich scheiterten die beiden BMW Alpina vom Liqui Moly Team Engstler wie schon am Samstag mit technischen Problemen. Mit dem Abtrocknen der Strecke und nach dem Fahrerwechsel kamen die Audi wieder zum Zug. Nachdem auch der letzte Kontrahent Ammermüller/Asch auf Porsche 911 zur Strafe an die Box musste, weil er die Mindeststandzeit unterschritten hatte. Diesmal gab es einen vierfach Triumph der beiden Phönix-Audi vor den beiden Abt-Audi.
Thurn und Taxis/Geipel kamen nach der Reparatur des Fahrzeuges aus dem Startunfall im ersten Lauf auf Platz 6 hinter den Stuck-Brüdern Johannes und Ferdinand ins Ziel, beide Teams auf Lamborghini.

ADAC Formel Masters

Sven Müller dominierte am Sachsenring die Formel Masters und ist jetzt auch in der Gesamtwertung vorn.

Sven Müller hieß der Star am Sachsenring. Der aus Bingen am Rhein kommende 19jährige Aufsteiger aus dem Kartsport war im Vorjahr Gesamtneunter in der ADAC Formel Masters. Am Sachsenring übernahm er durch zwei erste und einen zweiten Platz die Gesamtführung vor dem Engländer Emil Bernstorff, der hier am Sachsenring (5., 2., 4.) seine Siege in Oschersleben nicht wiederholen konnt. Der Älteste im Feld, der Döbelner Toni Koitsch ist im dritten Jahr in Eigenregie im ADAC Formel Masters unterwegs. Er konnte sich leider zweimal nur am Ende des Feldes behaupten und fiel einmal aus.

ATS-Formel-3-Cup

Das Formel-3-Feld war am Sachsenring überschaubar.

Die Siege in den Rennen des ATS-Formel-3-Cups teilten sich Richie Stanaway aus Neuseeland und der Österreicher Klaus Bachler, der das erste Mal im Cup triumphierte. Der Däne Marco Sörensen belegte in beiden Rennen den zweiten Platz. Der Rennverlauf war nicht gerade von Spannung geprägt, was nicht zuletzt auch an dem mit gemeldeten 16 Fahrzeugen schwach besetzten Feld lag.

ADAC Procar

Jens Weimann (14) im Thate-BMW fuhr seinen ersten Sieg in der ADAC Procar

Auch das Feld der ADAC Procar war sehr spärlich besetzt. Lediglich im zweiten Lauf, als der Schweizer Peter Rikli mit seinem Honda Civic die beiden BMW von Jens Weimann und Johannes Leidinger trotz des enormen Traktionsvorteils der BMW beim stehenden Start im Rennen überholen konnte, war noch einmal für Spannung gesorgt. Der Sieg im ersten Lauf ging an Weimann vor Leidinger und Christian Fischer im zweiten Rikli-Honda. Die Division 2 wurde von Guido Thierfelder im Peugeot 207 dominiert. Dahinter lieferten sich Ulrike Krafft und Nils Mierschke einen spannenden Zweikampf, der im ersten Lauf zu Gunsten von Mierschke ausging, welcher im zweiten Lauf dem der schnellen Frau vom ATM Speed Ladies Team den Vortritt lassen musste.

Mini Challenge

Fahrinstruktor Steve Kirsch konnte auf seiner Hausstrecke auf das Podest fahren.

Im ersten Rennen am Samstag ging die Spitzengruppe Frederik Lestrup, Steve Kirsch und Nico Bastian relativ geordnet in die ersten Runden. Zu Mitte des Rennens musste sich Kirsch, der Fahrinstruktor vom Sachsenring, dem Angriffen von Bastian geschlagen geben und fiel auf den dritten Platz, den er zu Ende des Rennens gegen die anstürmenden Verfolger sogar noch verteidigen musste. Mit dem Kommentar: „An meinem Einsatz lag es nicht“ wollte er andeuten, dass das Auto im Laufe des Rennens an Leistung verlor. Durch die umgekehrte Startposition der ersten sechs Fahrer im zweiten Lauf kam er über einen 4. Platz nicht hinaus. Zwei extreme Einschläge in die Streckenbegrenzungen führten zum Abbruch kurz vor Rennende.

Vier Tage Autombilsport, zum Training kostenfreier Eintritt, haben mittlerweile auch in der „Zweirad-Hochburg Sachsenring“ ihre Fans gefunden.

Mike Jordan

Mike Jordan

mikejordan@motorrennsportarchiv.de

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