Starparade im beschaulichen Zschorlau

Dieter Braun

Auch wenn die westsächsische Kleinstadt Zschorlau nicht unbedingt über die Länder- und Landesgrenze hinaus übermäßig bekannt ist, genießt sie unter Freunden des historischen Motorsports einen ausgezeichneten Ruf. Und das hat sie dem rührigen 1. Auer MSC e. V. im ADMV zu verdanken, der hier Jahr für Jahr das Zschorlauer Dreieckrennen durchführt. Am vergangenen Wochenende immerhin schon zum 13. Mal, wobei man sich von den Anfangsjahren bis heute sukzessive steigerte und seinen treuen Fans wieder prominente Rennfahrer der Extraklasse bieten konnte. Angeführt wurde das Aufgebot vom neunfachen Ex-Weltmeister Carlo Ubbiali. Der Italiener, der in drei Wochen seinen 80. Geburtstag feiern wird, war während seiner aktiven Zeit in den 1950er-Jahren nicht auf dem Sachsenring im damals geteilten Deutschland gefahren, besuchte aber in seiner Funktion als Repräsentant einer italienischen Zubehörfirma schon den heutigen Schauplatz des Motorrad Grand Prix von Deutschland. „Ich habe das Gefühl, dass die Fans hier in Zschorlau noch enthusiastischer und vor allem sehr fachkundig sind. Was hier über die alten Zeiten geschwärmt wird und was die Leute über mich alles wissen, ist unvergleichlich. Auch die Zahl an Autogrammwünschen überstieg meine Vorstellungskraft. So viele wie an den zwei Tagen hier, schreibe ich in Italien in zwei Jahren nicht“, lobte der nach WM-Titeln gemeinsam mit Mike Hailwood derzeit dritterfolgreichste Motorradrennfahrer nach einer sehr emotionalen Ehrenrunde im Cabrio.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch der mit sechs WM-Titeln dekorierte Jim Redman. „Es ist immer wieder schön hier, wenngleich ich leider nur ein paar wenige Runden fahren konnte. Aber meine vor zwei Jahren gebrochene Hüfte macht mir noch sehr zu schaffen“, meinte der 77-Jährige, der schon mehrfach in Zschorlau zu Gast war. Das gilt auch für den zweifachen Weltmeister und Sachsenring-Idol Dieter Braun: „Im vorigen Jahr hat es leider nicht geklappt, da war ich verletzt. Diesmal konnte ich wieder dabei sein und muss sagen, dass Zschorlau neben Schotten und Hamburg zu den niveauvollsten Klassik-Veranstaltungen gehört.“

Der vierte Ex-Weltmeister im Bunde war der Holländer Jan de Vries, der der namhafteste Fahrer im wunderschönen Feld der sogenannten „Golden 50“ war. In den 1960er-, 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre hatte diese Klasse der 50-ccm-Motörchen ihre Blütezeit und brachte erstaunliche Ingenieurskunst, sowohl jenseits wie auch diesseits der Mauer, hervor. Weitere Sonderläufe waren der „Golden 125“ sowie italienischen Motorradklassikern vorbehalten, die mit weiteren optischen und technischen Leckerbissen aufwarten konnten.

Die Liste der prominenten Teilnehmer beinhaltete weitere Rennfahrergrößen, wie Heiner Butz, Lothar John, Ingo Emmerich, Aalt Toersen, Ralf Waldmann, Heinz Rosner, Gernot Weser, Bernd Köhler, Frank Wendler, Günter Hilbig, Stefan Tennstädt, Thomas Wittig, und ließe sich beliebig fortsetzen. Eigentlich hat jeder der Teilnehmer seine Geschichte und auch die Fahrzeuge, vom Motorrad über Gespanne bis hin zu Formel- und Tourenrennwagen, könnten unzählige erzählen. Freuen wir uns also schon jetzt auf die Fortsetzung des Zschorlauer Dreieckrennens im nächsten Jahr.

Weitere Informationen: www.auer-msc.de

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