Haga und Bayliss gewinnen WM-Läufe am Eurospeedway

Das Siegerpodest des zweiten Laufes (v.l.): Noriyuki Haga, Troy Bayliss und Max Biaggi

50.000 Fans verfolgten die Läufe der Superbike-Weltmeisterschaft auf dem Eurospeedway Lausitz. Die Siege gingen an Noriyuki Haga und Troy Bayliss, die nach einem verregneten Trainingssamstag die beste Abstimmung für ihre Motorräder fanden. Honda-Pilot James Toseland konnte seinen Laufsieg aus dem Vorjahr nicht wiederholen und büsste einen Teil seines Punktepolsters auf Noriyuki Haga und Max Biaggi ein.
Max Neukirchner zeigte vor heimischem Publikum, dass er im nächsten Jahr auf der Werks-Suzuki ein ernstzunehmender Gegner sein wird und beendete die Rennen jeweils mit einem Sturz und auf dem neunten Platz. Die Unterzeichnung des Vertrages mit Alstare-Suzuki gab Neukirchner in der Lausitz persönlich bekannt.

Superbike-WM:

Max Neukirchner hatte auf dem Eurospeedway Lausitz sein Heimspiel – 2008 startet der Stollberger auf einer Werks-Suzuki

Die Trainings am Samstag waren von anhaltendem Regen gekennzeichnet. So konnten die Zeiten aus dem ersten Qualifying nicht verbessert werden und die Superpole wurde reglementgemäß in ein 50-minütiges Zeittraining für die besten 16 umgewandelt. Max Neukirchner (Suzuki) hatte sich ebenso für das entscheidende Training qualifiziert wie der frisch gebackene IDM-Superbike-Meister Martin Bauer. Der Österreicher fuhr als Wildcardstarter auf der Holzhauer-Honda, die dafür dem speziellen Reglement der Superbike-WM angepasst wurde. Die ständig wechselnden Bedingungen machten es den Fahrern nicht leicht eine schnelle Runde auf den Asphalt zu legen. Die beste Strategie erwischten die PSG-1-Piloten Fonsi Nieto und Regis Laconi. Gleich zu Beginn des Trainings stellten sie ihre Kawasakis auf die erste und zweite Startposition, bevor der Regen wieder zunahm. Troy Bayliss (Ducati), der Schnellste im trockenen Training, konnte sich mit der drittbesten Zeit knapp vor seinem Landsmann Troy Corser (Yamaha) in der ersten Startreihe halten. Die Meisterschaftsanwärter Max Biaggi (Suzuki), James Toseland (Honda) und Noriyuki Haga mussten mit der zweiten Startreihe vorlieb nehmen. Aus deutschsprachiger Sicht schlugen sich Max Neukirchner mit dem neunten Startplatz und Martin Bauer mit der 13. Startposition ganz ordentlich.

Können sie James Toseland den WM-Titel noch streitig machen? – Noriyuki Haga (41) und Max Biaggi (3)

Mit einem Blitzstart ging Troy Bayliss im ersten Lauf als Führender in die erste Kurve und zog dem dichten Feld leicht davon. Mitten im Getümmel war auch Max Neukirchner mit dabei, der einen guten Start erwischte. In der sechsten Runde schnappte sich der Stollberger sogar den Trainingsschnellsten Fonsi Nieto und schob sich so auf den fünften Platz nach vorn. Das heimische Publikum trieb den Suzuki-Piloten zu Höchstleistungen, doch eine halbe Runde später folgte die Quittung für den mutigen Einsatz. Neukirchner rutschte über das Vorderrad weg und nicht nur eine gute Platzierung, auch wichtige Meisterschaftspunkte musste der 25jährige im lausitzer Boden begraben.

Max Neukirchner wurde im ersten Lauf für seinen Einsatz nicht belohnt

Unterdessen gaben Bayliss, Haga und Biaggi an der Spitze das Tempo an. Bei Rennhalbzeit sollte dann die Entscheidung fallen. Bayliss setzte auf einen weicheren Reifen und hatte nun Mühe die Ducati 999 auf der Strecke zu halten. „Erst ließ der Vorderreifen nach, dann funktionierte auch der Hinterreifen nicht mehr richtig“ erklärte der Weltmeister der Jahre 2001 und 2006 seine Situation nach dem Rennen. Hagasan war mit einem härteren Vorderreifen unterwegs und hatte den Ausgang des Rennens jetzt in der Hand. Bayliss musste sich mit einer inzwischen stumpfen Waffe gegen seine Verfolger wehren und verlor den sicher geglaubten Podestplatz schließlich noch an Biaggi und Corser.
Den Sieg ließ sich Noriyuki Haga nicht mehr nehmen und rückte damit in der Weltmeisterschaft 18 Punkte näher an James Toseland heran, der die Zielflagge nur als Neunter sah. Max Biaggi konnte mit seiner Punkteausbeute ebenfalls zufrieden sein. Er hielt Corsers Druck stand und wahrte mit dem zweiten Platz seine Chance auf die Meisterschaft.

Nur Neunter im ersten Lauf – James Todeland schwächelt im Kampf um den WM-Titel

Der Start des zweiten Laufes dürfte für einige wie die Wiederholung des ersten Laufes gewirkt haben, denn wieder war es Troy Bayliss, der in den ersten Runden den Ton angab. Die Nummer 76 fand sich nicht im vorderen Feld, aber nach dem Missgeschick in Lauf eins ging es Max Neukirchner diesmal vorsichtiger an. Platz um Platz schnappte sich der Stollberger dann aber schnell wieder zurück und lag zwischenzeitlich auf einem aussichtsreichen siebenten Platz.

Noriyuki Haga (41) und Troy Bayliss (21) machten den Sieg im zweiten Lauf unter sich aus

Hatte nach dem zweiten Lauf doch noch einen Grund zum feiern – Max Neukirchner

Vorn sah man das bekannte Spiel aus dem ersten Lauf. Bayliss konnte sein Tempo nicht halten. Haga schloss gegen Mitte des Rennens zum Australier auf und setzte den 38jährigen Ducatipiloten stark unter Druck. Bayliss leistete sich in Führung liegend einen schweren Verbremser am Ende der Gegengeraden. Noriyuki Haga zog vorbei, konnte sich diesmal jedoch nicht vom Australier absetzen, der sich mit einer starken kämpferischen Leistung wieder an den Japaner heranarbeitete. Die Fans am Eurospeedway bekamen ein Duell zu sehen, wie man es so wohl nur bei den Superbikes zu sehen bekommt: hart und fair. Fünf Runden vor dem Ende musste Hagasan den wie entfesselt fahrenden Bayliss dann doch wieder vorbeilassen. „Mein Hinterreifen funktionierte in den Linkskurven nicht mehr perfekt“ gab der Yamaha-Pilot nach dem Rennen an. Ein weicheres Fahrwerk für den zweiten Lauf nutzte den Reifen diesmal schneller ab als im Rennen zuvor.Die Entscheidung fiel nach der 24-Runden-Distanz für Troy Bayliss, den Kampf um den theoretisch noch möglichen WM-Titel jedoch schon aufgegeben hat. Noriyuki Haga und Max Biaggi komplettierten das Podest und konnten wieder Punkte auf den Vierten James Toseland gutmachen, dessen Vorsprung nun auf 41 Punkte geschmolzen ist.

Troy Bayliss teilte sich die Reifen am besten ein und feierte seinen sechsten Saisonsieg

Max Neukirchner konnte in der Schlussphase des Rennens nicht mehr angreifen und fiel auf den neunten Rang zurück, den er vier Rennen vor dem Ende der Saison auch in der Weltmeisterschaft einnimmt.
Wildcardstarter Martin Bauer stürzte im ersten Lauf und sah das Ziel im zweiten Rennen als 17.

Supersport-WM:

Supersport-Weltmeister Kenan Sofuoglu (54) muss sich Broc Parkes (23) am Eurospeedway geschlagen geben

Der Weltmeister in der Klasse Supersport stand schon vor dem Rennen auf dem Eurospeedway Lausitz fest. Mit Kenan Sofuoglu konnte sich beim letzten Meeting in Brands Hatch erstmals ein Türke in die lange Reihe der Motorrad-Weltmeister eintragen. In der Lausitz ging es für Sofuoglu, der seine Kariere im deutschen Yamaha-R6-Cup begann, also nur noch um die Ehre. Mit Broc Parkes hatte er einen ebenbürtigen Gegner, der ihm über die gesamte Renndistanz wie eine Klette am Hinterrad hängte. Drei Runden vor Rennende fasste der Australier die Gelegenheit beim Schopfe und setzte sich mit seiner Yamaha R6 in Führung. Sofuoglu, der am Vortag seinen Vertrag für die Superbike-WM 2008 mit Ten-Kate-Honda unterschrieb, kam nicht noch einmal heran und musste sich mit Position zwei zufrieden geben.
Erst über zwanzig Sekunden später kam der drittplatzierte Langstreckenspezialist Matthieu Lagrive (Honda) ins Ziel.
Stefan Nebel sicherte bei seinem ersten Einsatz für Lightspeed-Kawasaki als 15. einen WM-Punkt. Rigo Richter aus Hohenstein-Ernstthal beendete seinen Wildcardeinsatz nach einem schweren Sturz im Training als 23.

Superstock 1000:

Arne Tode aus Glauchau – Sechster Platz in der Superstock 1000

In einem spannenden Fight um den Sieg setzte sich am Ende der letztjährige IDM-Superbike-Fahrer Didier van Keymeulen auf seiner Yamaha R1 durch. Niccolò Canepa (Ducati) und Claudio Corti (Yamaha) griffen in den letzten Runden immer wieder nach der Führung, mussten sich aber knapp geschlagen geben. Arne Tode aus Glauchau konnte das Tempo in der Anfangsphase mithalten, musste gegen Mitte der 14-Runden-Distanz aber abreisen lassen. Trotzdem konnte sich der noch amtierende IDM-Supersport-Meister mit dem sechsten Platz über sein bestes Saisonresultat freuen.

In der European Suzuki Championship fuhr Dominic Lammert nach seinem IDM-Superbike-Premierensieg in der Vorwoche in Most einen weiteren Triumph ein. Der 19jährige übernahm damit auch die Führung in der Meisterschaft.

2×2 Freikarten für die Superbike-WM auf dem Eurospeedway Lausitz hatten Miriam Köbe (Jena) und Erik Lang (Berlin) gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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