IDM und Seitenwagen-WM begeistern Sachsenringpublikum

Bereits 2006 stand Jörg Teuchert am Sachsenring mit Yamaha zwei Mal ganz oben auf dem Podest

22.100 Zuschauer verfolgten das Comeback der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft auf der sächsischen Traditionsrennstrecke bei Hohenstein-Ernstthal. Neben Michael Schumacher hatte die IDM ihren Fans noch einiges mehr zu bieten. Die weltbesten Gespann-Piloten traten in zwei Rennen gegeneinander an und auch bei den deutschen Meisterschaftsläufen gab es spannende Rennen.

Pausenprogrammm der besonderen Art – Hochseilakrobatik der Geschwister Weisheit

Fannähe wird in der IDM groß geschrieben, das bekamen die zahlreichen Zuschauer während des Pitwalks in der Mittagspause zu spüren. Das IDM-Eventpaket beinhaltete am Sachsenring unter anderem eine beeindruckende Hochseilvorführung der Geschwister Weisheit, eine Autogrammstunde mit Superbike-Star Max Neukirchner und herrliches Sommerwetter…

Seitenwagen-WM:

Die bestenGespann-Teams der Welt gehen auf die 22-Runden-Jagd am Sonntag

Die schnellsten Seitenwagen-Teams der Welt stellen sich in diesem Jahr gleich zwei Mal dem Sachsenring, der mit seinen vielen Linkskurven für die Gespannepiloten besonders anspruchsvoll zu fahren ist. Dazu kam beim Sprintrennen am Samstag einsetzender Regen, den die Finnen Pekka Päivarinta und Timo Karttiala nutzten, um einen Vorsprung von fast 14 Sekunden auf ihre Verfolger herauszufahren, bevor das Rennen nach der fünften Runde abgebrochen wurde. Der Neustart über die verbleibenden sechs Umläufe erfolgte als wet-race. Päivarinta/Karttiala lagen sicher in Führung und fuhren einen klaren Sieg heraus. Die Trainingsschnellsten und amtierenden Weltmeister Reeves/Farrance hatten sich bei der Reifenwahl vergriffen und belegten hinter Sean und Mark Hegarty und Ben und Tom Birchall den vierten Platz.

Pekka Päivarinta/Timo Karttiala – Sieg im Sprintrennen und Tabellenführung

Das Gold-race am Sonntag versprach eine ähnliche Hitzeschlacht wie im letzten Jahr zu werden. Entsprechend vorsichtig gingen die Teams auf 22 Runden auf dem winkligen, reifenmordenden Kurs. Lange Zeit beäugten sich die Favoriten. Die Weltmeister Tim Reeves und Patrick Farrance kontrollierten das Rennen von der Spitzposition aus. Auch als die Franzosen Delannoy/Cluze am Ende noch einmal aufschließen konnten ließen sich Reeves/Farrance nicht aus der Ruhe bringen. Auf Platz drei punkteten die Auftaktsieger von Donington Päivarinta/Karttiala, die damit noch acht Zähler Vorsprung auf die Titelverteidiger verteidigten.

Tim Reeves und Patrick Farrance meldeten sich mit ihrem ersten Saisonsieg im Kampf um den WM-Titel zurück

Die deutschsprachigen Teams Schlosser/Hänni (SUI) und Moser/Waefler (AUT/SUI) beendeten das Gold-race auf Platz fünf, beziehungsweise sechs.
Den guten Leistungen der Piloten und Passagiere konnte die Rennleitung leider nicht folgen. Der querschnittsgelähmte Johan Reuterholt fiel bei Rennhalbzeit mit technischem Defekt aus. Auch nach der Aufforderung durch Co-Pilot Mika Ikonen ließen sich die Streckenposten nicht zur Bergung des Schweden überreden. Minuten vergingen, bis ein Rettungswagen eintraf, doch auch die Ärzte mussten zuschauen, wie Reuterholt das Rennen vor der Leitplanke (!) sitzend bis zum Ende verfolgte.
Gaststarter Wolfram Centner war mit Co-Pilot Andy Wolfram das einzige deutsche Gespann in der Superside-WM. Der Sachsen-Express beendete beide Läufe auf dem zehnten Platz.
Bereits nächste Woche startet die Seitenwagen-WM wieder im Rahmenprogramm zum Grand-Prix in Assen bevor es am 11.-13. Juli ein Wiedersehen am Sachsenring gibt.

IDM Superbike:

Jörg Teuchert, der sympathische Franke begann am Sachsenring die Aufholjagd auf Martin Bauer

Dass Martin Bauer einmal mehr die Pole-Position bei den Superbikes herausfuhr war sicherlich keine Überraschung. Nachdem er mit seinem brandenburger Team Holzhauer in der Vorwoche auf dem Sachsenring testete konnte der Österreicher Werner Daemen (BEL) um sechs Zehntelsekunden auf den zweiten Platz verweisen. Mit Andy Meklau (AUT) und Roman Stamm (SUI) stellten zwei weitere Suzuki-Piloten ihre Maschinen in die erste Startreihe.
Für Aufsehen sorgte IDM-Rookie Michael Schumacher, der mit der 16. Trainingszeit und nur zwei Sekunden Rückstand auf Bauer überraschte.
Im ersten Lauf konnte Martin Bauer sofort die Führungsposition behaupten und alles sah nach einem weiteren Sieg für den amtierenden IDM-Superbike-Meister aus. Um Platz zwei kämpften Jörg Teuchert, Andy Meklau und Werner Daemen, die den Spitzenreiter nie ganz aus den Augen verloren. Für das Finale hatte sich Yamaha-Pilot Teuchert das beste Reifenmaterial aufgespart und zog kurz vor Schluss noch an Bauer vorbei. Der Hersbrucker beendete damit die seit Saisonbeginn andauernde Siegesserie des Österreichers.

Beim Heimspiel klappte es für Georg Fröhlich endlich mit den ersten IDM-Punkten der Saison

Michael Schumacher lernte unterdessen bei seinem ersten Rennen auf der Berg- und Talbahn bei Hohenstein-Ernstthal die Tücken der Queckenbergkurve kennen. In Runde 13 rutschte er über das Vorderrad weg und begrub sein Rennen im Kiesbett.
Im zweiten Lauf ergriff Jörg Teuchert von der ersten Runde an die Initiative. Zusammen mit Andy Meklau führte der Supersport-Weltmeister aus dem Jahr 2000 das Feld durch die ersten Runden. Abosieger Martin Bauer musste in der hart umkämpften Anfangsphase an sein Limit gehen. Ein Sturz in Runde fünf und damit erstmals null Punkte für Bauer und sein Team waren die Folge. Ein weiterer Sturz von Werner Daemen sorgte nach der zehnten Runde für den Abbruch des zweiten Superbike-Laufes.

Michael Schumacher war voll des Lobes für die einmalige Streckenführung des Sachsenringes – In Lauf 1 stürzte der 7malige Formel-1-Weltmeister am Queckenberg

Auch im zweiten Teil des Rennens, der mit der Gesamtzeit aus dem ersten Teil addiert wurde, hielt Teuchert Meklau auf Abstand. Der dritte Platz auf dem Podest ging in die Schweiz an Roman Stamm.
Erfreulich aus sächsischer Sicht: Umsteiger Georg Fröhlich (Wechselburg) kommt nach seinem verkorksten Saisonstart auf der technisch unterlegenen MV Agusta immer besser in Fahrt. Platz 14 und die ersten beiden IDM-Superbike-Punkte waren der verdiente Lohn.
Michael Schumacher brachte den 22. Rang ins Ziel.

IDM Supersport:

Der Startcrash bei den Supersportlern, ausgelößt durch Philipp Hafeneger, bedeutete für sieben Fahrer das Aus

Zu einem wahren Krimi spitzte sich das einzige Rennen zur IDM Supersport am Sachsenring zu. Rico Penzkofer (Böhlen) führte die sechsköpfige Spitzengruppe bei seinem Heimrennen lange Zeit an, dicht gefolgt von Meisterschaftsleader und Erzrivale Arne Tode, der ebenfalls einen Heimvorteil genoss. Der Glauchauer, als einziger Triumph-Pilot im Kampf um den Sieg verwickelt, hatte mit Titelverteidiger Sebastien Diss (FRA) und Penzkofers Teamkollege Damian Cudlin (AUS) starke Gegner im Rücken. Den Sieg sollte allerdings Yamaha-Pilot Vladimir Ivanov (RUS) davontragen. Als Zweiter sammelte Tode wichtige Meisterschaftspunkte und liegt weiterhin mit 39 deutlich an der Spitze der Gesamtwertung.

Rigo Richter aus Hohenstein-Ernstthal steuerte die Honda auf Platz acht

Für ein gutes Rennwochenende wurde der Hohenstein-Ernstthaler Rigo Richter belohnt. Im Training starker Neunter und nicht in den Startunfall (7 Fahrer, ausgelöst von P. Hafeneger) verwickelt beendete er das Rennen auf dem achten Platz. Weniger Glück hatten Sascha Hommel (Reichenbach) und Dominik Vincon, die beide Opfer des Startgetümmels wurden.

IDM 125:

Start der Klasse bis 125 Kubikzentimeter – Marcel Schrötter (#77) gewann die Generalprobe vor seinem Wild-Card-Einsatz beim Grand-Prix von Deutschland

Marcel Schrötter lies in der Klasse bis 125 Kubikzentimeter keine Zweifel daran aufkommen, dass er ein ganz heißer Kandidat für den Meistertitel in diesem Jahr ist. Mit über acht Zehnteln Vorsprung sicherte sich der Bayer die Pole-Position am Samstag und auch im sonntäglichen Rennen machte sich der Honda-Pilot mit der schnellsten Rennrunde aus dem Staub.
Sein Verfolger Bastien Chesaux aus der Schweiz schied in Runde sechs aus. Jonas Folger auf KTM konnte das hohe Tempo von Schrötter nicht mitgehen, um Platz drei stritten bis zum Ende des Rennens Joey Litjens (NED) und Robert Gull (SWE). Der Holländer gewann das Duell und liegt damit in der Meisterschaft noch sechs Punkte vor Schrötter.
Eric Hübsch (Lichtenstein) beendete das Rennen als bester Aprilia-Pilot nach einem schlechten Start auf dem fünften Platz.

IDM Sidecar:

Seitenwagen-Action in der Abendsonne – die Akteure der IDM-Sidecar boten den Zuschauern auch am späten Nachmittag noch spannende Positionskämpfe

Einen hauchdünnen Vorsprung von nur 0,064 Sekunden retteten Adrian Kornas und Axel Kölsch ins Ziel. Bereits in Oschersleben konnten die beiden triumphieren. Harald Hainbucher und Peter Adelsberger machten den Doppelsieg für die RSR-Chassis perfekt. Die Österreicher Bernd und Michael Grabmüller fielen in der Schlussphase zurück, retteten aber den dritten Platz ins Ziel.
Vom Pech verfolgt waren die Meisterschaftsmitfavoriten Roscher/Krieg und Hock/Becker, die ihre Maschinen mit technischem Defekt abstellen mussten. Der Kampf um den Titel spitzt sich damit immer mehr zu. Punktgleich mit 61 Zählern liegen Kornas/Kölsch und Hock/Becker an der Tabellenspitze, dicht gefolgt von Hainbucher/Adelsberger (60). Bestes LCR-Gespann sind die Schweizer Schröder/Burkard mit 55 Punkten auf Tabellenplatz vier. Für den gebürtigen Sachsen Mike Roscher ist der Titelzug nach zwei Ausfällen (Oschersleben, Sachsenring) und dem verpassten Nürburgring-Rennen (Terminüberschneidung mit den Rennen auf der Isle of Man) wohl abgefahren.

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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