Sachsenpower in der PROCAR-Serie

Während sage und schreibe 16 Rennen in der Börde zum Auftakt der GT-, Breiten- und Nachwuchsserien-Läufe stattfanden und den zahlreichen Besuchern weit mehr boten als ein Spektakel zweier Automarken, fand motorrennsportarchiv.de noch Zeit, ein Interviev mit dem HAIGO-Organisator Stromhard Kraft zu führen.

PROCAR:

Markenvielfalt – Die ADAC Procar startete in Oschersleben in die neue Saison

Der Sachse Philip Geipel sicherte sich mit einem Sieg und einem zweiten Platz die Tabellenführung in der Procar-Serie. Während er im ersten Rennen den MoskauerAndrei Romanov ziehen lassen musste, konnte er im zweiten Lauf vom Start weg dominieren, da der Russe den Start vollkommen verschlief. Als dieser nach einer Aufholjagd wieder hinter Geipel angekommen war, wurde er beim Überrunden von Uwe Reich übersehen und so eliminiert.

Philipp Geipel aus Leubnitz sorgte für einen Triumph aus sächsischer Sicht

Die Procar-Serie startete mit BMW, Toyota, Mercedes, Honda, Renault, Citroen, Ford, Peugeot, Opel und Alfa Romeo, also mit zehn Marken in die neue Saison. Auch das Umfeld der Tuner und Breitensportler wirkt extrem publikumsfreundlich und offen. So fuhr der Mercedes-Pilot Jens-Guido Weimann in einem Ford-Overall. Trockener Kommentar des Streckensprechers: „Der brauchte sein ganzes Geld für den Kauf des Mercedes.“ Der Neueinsteiger Alf Ahrens aus der bekannten Braunschweiger Motorsportfamilie, fuhr sein Qualifying mit vollgetanktem Renault. Eine plausible Antwort gab es nicht – eher ein Versehen. Man tankt halt, bevor man losfährt.

ADAC GT Masters:

Das Maß der Dinge – Ford GT von Matech Concepts

Die GT-Rennen standen beim ersten Aufeinandertreffen der Saison im Zeichen der Ford von Matech Concepts. Im ersten Rennen siegte Jürgen von Gartzen/Thomas Mutsch, während der zweite Wagen in einen Auffahrunfall verwickelt wurde. Im Sontagsrennen gab es dann einen Erfolg von Keneth Heyer/Marc Hennerici vor von Gartzen/Mutsch. Hinter den Ford GT kamen jeweils Jörg und Tim Bergmeister mit einem Porsche GT3 Cup S auf den 2. bzw. 3. Rang. Das Wintersportduo Sven Hannawald/Christoph Langen erreichte im ersten Lauf einen 17. Platz, während der Porsche GT3 Cup im 2. Lauf schon im Startgetümmel involviert war, sich drehte und später an Getriebeproblemen krankte, welche zur Aufgabe zwangen.

ATS Formel 3 Cup:

Noch kann Vervisch den drängelnden Cecotto hinter sich halten

Ein internationales Feld mit mehr als 10 Nationen geht im diesjährigen ATS Formel 3 Cup an den Start. Rennen 1 gewann der Österreicher Gerhard Tweraser vor Laurens Vanthoor (Belgien) und Sebastian Saavedra (Kolumbien). Auch im zweiten Lauf hatte Tweraser eine gute Ausgangsposition. Mit Rahel Frey (Schweiz) hatte er nach einer Runde schon einen gehörigen Vorsprung, als man sich bei der Einfahrt in die enge Startschikane nicht einig wurde – das Aus für beide. Der Belgier Frédéric Vervisch hielt das ganze weitere Rennen bis zwei Runden vor Schluss seine Verfolger mit einer Fahrt auf der Kampflinie von einem Überholversuch fern. Johnny Cecotto jun. (Venezuela) schaffte es dann dennoch vorbei und gewann vor Vervisch und Matteo Chinosi (Italien).

ADAC Formel Masters:
Die neue ADAC Formel Masters mit einheitlichen Rennwagen um einen 145 PS-VW-Motor beherrschte mit einem Doppelsieg der Österreicher Willi Steindl vom Team Mücke Motorsport des ADAC Berlin-Brandenburg. Bei den Assen der Zukunft überzeugte auch die einzige Dame im Feld, die Finnin Emma Kimiläinen mit einem 4. und einem 6. Platz, wohingegen der prominente Nachwuchs Daniel Abt (17./8.) und Ferdinand Stuck (OUT/19.) noch nicht in die Spitzenpositionen fahren konnten.

Kurvenkampf mit historischer Technik – HAIGO

Weiter im Programm starteten Mini Challenge, Spezial-Tourenwagen-Trophy (STT) und der HAIGO-ADAC-Historic-Cup, mit dessen Organisator Stromhard Kraft wir ein kurzes Gespräch führten:

Stromhard Kraft, wenn Dir vor 10 Jahren jemand gesagt hätte, dass Du mit den historischen DDR-Rennfahrzeugen im Rahmenprogramm der deutschen GT-Serie starten würdest, was hättest Du da geantwortet?
Das ist eine interessante Frage, die ich allerdings anders beantworten muss. Es war vor ungefähr zehn Jahren, als wir im Rahmen der HRA zum Beispiel auf dem Nürburgring, Spa, Zandvoort und so weiter gefahren sind. Da wuchs der Gedanke die HAIGO (Historische Automobilrennsport Interessen Gemeinschaft Ostdeutschland), die damals noch nicht so hieß, ins Leben zu rufen, weil wir gesehen hatten, was dort für große Events mit historischen Fahrzeugen veranstaltet werden. Da haben wir mit Heinz Siegert und Hartmut Thaßler beschlossen, so etwas machen wir im Osten auch. Ganz so entfernt war der Gedanke also nicht. Dass dies nun solche Ausmaße angenommen hat, dass wir hier bei der GT-Serie sind, also im Rahmen der zweiten Bundesliga fahren, das ist fantastisch und wir freuen uns darüber sehr.

Nun habt Ihr ja 2007 einen Versuch gemacht, westliche Fahrzeuge ins Feld zu nehmen. In diesem Jahr seid Ihr wieder zu Eurem Ursprung zurückgekehrt. Welche Gründe gab es für den „Rückzieher“ zum lupenreinen osteuropäischen Oldtimer-Rennsport?
Eine ganz einfache Geschichte. Der Sprecher vom Fiesta-Cup am Lausitzring wollte mir einen Gefallen tun und hat vor allen Zuschauern angekündigt: „Meine lieben Damen und Herren, jetzt kommen die berühmten Autos aus dem Osten, Wartburg, Skoda, Trabis – die Autos mit denen Sie früher mal auf Arbeit gefahren sind und Stromhard Kraft kann Ihnen darüber viel mehr erzählen, deshalb gebe ich jetzt an ihn ab.“ Dann ging unten das große Tor auf und herausgefahren kamen Porsche, BMW, Opel; die großen Tourenwagen, die bei uns damals in HAIGO mit integriert waren. Kurz nach dem Rennen wurde ich in die Rennleitung bestellt. Dort war ein Delegierter der FIA aus Paris und der stellte die Frage: „In welchem KONSUM der DDR gab es diese Autos zu kaufen?“ Diese Frage konnte ich natürlich nicht beantworten. So gab es ein Zusammentreffen mit dem Veranstalter und dem ADAC und es wurde beschlossen, die Historische Automobilrennsport Interessen Gemeinschaft Ostdeutschland bedarf der Unterstützung des ADAC und sollten sich Lücken durch die Ausgliederung der „Westfahrzeuge“ ergeben, so wird es eine Unterstützung des ADAC geben. Diese Unterstützung sieht man heute hier in Oschersleben sehr deutlich und ich bin glücklich und dankbar dafür, dass man uns den Weg geebnet hat, „ostdeutsch“ zu sein.

Mike Jordan

mikejordan@motorrennsportarchiv.de

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