28.000 Zuschauer feiern IDM-Saisonhöhepunkt in Schleiz

Vor einigen Jahren galt das Schleizer Dreieck in IDM-Kreisen meist noch als ungeliebtes Straßenrennen mit dürftiger Infrastruktur, inzwischen träumen die neuen Macher der Deutschen Motorradmeisterschaft bei allen anderen Rennen von einer Kulisse wie der in Schleiz. Die am Rennsonntag voll besetzten Tribünen am Buchhübel wurden durch den MSC Schleizer Dreieck dank Geld- und Sachspenden im Vorfeld saniert und waren so für den Zustrom der Fans bestens vorbereitet.

Dass es der 95 Jahre alte Traditionskurs in sich hat, mussten einige Teilnehmer im Verlaufe des Wochenendes schmerzhaft feststellen. Seitenwagen-Beifahrer Roman Gröbner wurde nach einem Trainingsunfall am Freitag im Uniklinikum Jena ins künstliche Koma versetzt.

IDM Superbike

Seriensieger Ilya Mikhalchik musste sich nach dem Zeittraining mit dem dritten Startplatz zufrieden geben. Sein Teamkollege Julian Puffe aus Schleiz nutzte den Heimvorteil und blieb als einziger in 1:24,935 unter der 1:25er-Schallmauer. Bastien Mackels platzierte die Wilbers-BMW zwischen seinen Markenkollegen aus dem alpha Racing-Van-Zon-Team auf dem zweiten Startplatz. Lucy Glöckner, die zuletzt beim Bergrennen Pikes Peak von sich reden machte, fuhr wie immer stark auf dem Schleizer Dreieck. Sie glänzte mit der fünftbesten Trainingszeit auf der Schnock-Kawasaki.

Beim Start zum ersten Lauf machten die Nerven Julian Puffe dann einen Strich durch die Rechnung. Der Schleizer ging nur als Fünfter in die erste Kurve, sein Teamkollege Mikhalchik nutzte dagegen die Innenseite und setzte sich an die Spitze. Während sich Puffe in den ersten Runden erst wieder mühsam auf den dritten Platz nach vorn arbeitete, waren seine BMW-Kollegen Mikhalchik und Mackels bereits um mehr als zwei Sekunden enteilt.

Schwerer Sturz in der Seng: Lucy Glöckner

Auch Lucy Glöckner erwischte keinen guten Start und fand sich zunächst nur im Mittelfeld wieder. Bei der Aufholjagd rutschte die Superbikerin ausgerechnet im superschnellen Streckenabschnitt „Seng“ aus und verletzte sich am dritten Lendenwirbel. Die Kawasaki ZX10R hat nach dem Einschlag in die Streckenbegrenzung nur noch Schrottwert. Das Wochenende war für Glöckner damit natürlich beendet.

Julian Puffe machte unterdessen Runde um Runde einige Zehntelsekunden gut und war schließlich an Mikhalchik und Mackels dran. Jedes Mal wenn das Führungstrio wieder auf den Buchhübel zusteuerte, wurde im nahegelegenen Vogtland ein kleines Erdbeben registriert und natürlich feuerten die Schleizer ihren Julian Puffe an. Der hatte jedoch bei der Aufholjagd seinen Reifen alles abverlangt und konnte nicht mehr angreifen. So siegte Ilya Mikhalchik am Ende klar vor Mackels und Puffe. Pepijn Bijsterbosch (4.) und Stefan Kerschbaumer (5.)  hatten im Ziel bereits mehr als 18 Sekunden Rückstand auf die Podestplätze. Toni Finsterbusch war als  Siebenter auf der besten Suzuki bereits mehr als 40 Sekunden zurück.

Julian Puffe mit seinen Fans

Im zweiten Lauf verpasste Julian Puffe wiederum die Chance von der Pole Position nach vorn zu fahren. Der Schleizer hing hinter Stefan Kerschbaumer fest, während Mikhalchik und Mackels vorn bereits wieder einen kleinen Vorsprung herausgefahren hatten. Der Rest des Rennens war nahezu eine Kopie des ersten Laufes. Puffe stellte den Anschluss her, konnte allerdings keinen Angriff auf die beiden Führenden mehr fahren. Bastien Mackels musste sich trotz der schnellsten Rennrunde Ilya Mikhalchik geschlagen geben, der sich damit die volle Punktzahl sicherte und die Meisterschaft nun mit 183 Punkten vor dem Belgier (166 Punkte) anführt.

Statt sich über die verpassten Chancen des Lokalhelden zu ärgern, feierte das Publikum den Doppelsieger aus der Ukraine und Bürgermeister Marko Bias klopfte Julian Puffe stellvertretend für alle Fans auf die Schulter: „Im nächsten Jahr klappt es dann mit dem Sieg!“

IDM Supersport 600

Im Vorfeld des Rennwochenendes gab es einige Veränderungen in der 600ccm-Klasse. Kevin Wahr trennte sich vom Team Romero und ersetzt jetzt den in die WM abgewanderten Christian Stange auf der mvr-Yamaha. Bei Romero dockte Superbiker Dominik Vincon an, der sich aber erst wieder an das schwächere Motorrad gewöhnen musste.

Nach Marc Buchners Sturz musste das Rennen abgebrochen werden.

Mit einem Punkt Vorprung in der Gesamtwertung ging Max Enderlein in das Wochenende. Der Hohenstein-Ernstthaler holte die Pole Position vor seinem ärgsten Verfolger in der Meisterschaft, Marc Buchner. Enderlein erwischte einen schlechten Start und Buchner konnte sich in den ersten Runden schon über eine Sekunde an der Spitze des Feldes absetzen. Im direkten Kampf um die Meisterschaft spielte alles in Buchners Hände, doch nach einigen Runden stürzte der Spitzenreiter in der Kompression der Seng schwer. Buchner rutschte bis zur Anbindung der Querspange und blieb zunächst bewusstlos liegen, woraufhin das Rennen abgebrochen wurde. Später diagnostizierte man eine Gehirnerschütterung, das Rennwochenende war für ihn damit beendet.

Beim Restart bog Kevin Wahr als Erster in die Kurve Richtung Buchhübel ein. Doch der Nagolder hatte die grüne Ampel ein wenig zu früh gesehen und kassierte dafür eine 20-Sekunden-Zeitstrafe. Max Enderlein gewann das auf acht Runden verkürzte Rennen vor Daniel Rubin und Christoph Beinlich aus Pößneck.

Im zweiten Lauf erwischte Wahr den besten Start diesmal regelkonform und führte das Feld lange Zeit vor Max Enderlein an. Der Hohenstein-Ernstthaler taktierte ein wenig zu lange und wurde in der Schlussphase durch Dennis Lippert noch auf den dritten Platz verdrängt. Der 22jährige aus Brunnthal war beim Siegerinterview noch völlig außer Atem. „Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich in meiner ersten IDM-Saison vorne mitfahren kann. Dazu bin ich eigentlich konditionell gar nicht in der Lage.“

Moritz Jenkner

In der Superstock-600-Wertung konnte Moritz Jenkner erstmals siegen. Der Zweitplatzierte Marco Fetz, der alle vier Läufe  in der bisherigen Saison gewonnen hatte, stellte im zweiten Lauf wieder die gewohnte Reihenfolge her und verwies den Hohenstein-Ernstthaler auf den zweiten Rang. Stefan Ströhlein wurde jeweils Dritter.

Siegerehrung: Dennis Lippert, Kevin Wahr und Max Enderlein (v.l.n.r.)

IDM Supersport 300

Jan-Ole Jähnig

Wie bereits im bisherigen Saisonverlauf, so hatten auch in Schleiz die KTM-Piloten klar die Nase vorn, allen voran die Freudenberg-Fahrer aus der Weltmeisterschaft, Jan-Ole Jähnig und Maximilian Kappler. Jähnig sicherte sich die Trainingsbestzeit mit fast einer halben Sekunde Vorsprung vor dem IDM-Gesamtführenden Victor Steeman und Teamkollege Kappler. Im Rennen lieferte Jan-Ole Jähnig eine ähnlich souveräne Vorstellung, doch  Steeman musste seine KTM RC390R zwei Runden vor Rennende mit technischem Defekt abstellen, wurde aber noch als 12. Gewertet und kassierte dafür noch drei Meisterschaftspunkte. Das Podest komplettierten Maximilian Kappler und Toni Erhard.

Jähnig ließ auch am Sonntag nichts anbrennen und siegte vor Steeman und Erhard. Kappler konnte sich knapp gegen den Honda-Piloten und Laufsieger in Zolder Dion Otten auf dem vierten Platz behaupten.

Siegerehrung: Victor Steeman, Jan-Ole Jähnig und Toni Erhard (v.l.n.r.)

IDM Seitenwagen

Nach der Disqualifikation zuletzt im belgischen Zolder, wollten Josef Sattler und Uwe Neubert in Schleiz wieder alles geraderücken. Das gelang dem deutschen Duo am Samstagabend souverän mit über neun Sekunden Vorsprung auf die Holländer Bennie Streuer und Gerard Daalhuizen.

Im zweiten Lauf hatten Sattler/Neubert mit etwas mehr Gegenwehr durch die Holländer zu kämpfen. Trotzdem konnten sie die Meisterschaftsführenden schlussendlich niederringen. Wie schon am Samstag fuhren André Kretzer/Björn Bosch als Dritte auf das Podest. Aufgrund der Disqualifikation beim letzten Rennwochenende liegen Josef Sattler und Co-Pilot Uwe Neubert nun noch 16 Punkte hinter den Titelverteidigern.

Sattler/Neubert (35), Streuer/Daalhuizen (1)

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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