57. Int. Frohburger Dreieckrennen: Didier Grams gewinnt das IRRC-Finale

Bei bestem Spätsommerwetter ging die 57. Auflage des Frohburger Dreieckrennens über die Bühne. Anders als im Vorjahr, konnten die zahlreichen Zuschauer entlang der Strecke die Regenschirme getrost zu Hause lassen und sich auf ein spannendes Saisonfinale der International Road Racing Championship (IRRC) freuen. Die Helfer und Clubmitglieder des MSC Frohburger Dreieck hatten den schnellen Straßenkurs im Süden Leipzigs wie jedes Jahr in mühevoller Arbeit hergerichtet und abgesichert.

IRRC Superbike

Das Jahr 2019 wurde in der großen IRRC-Klasse bisher vor allem durch einen Mann geprägt: Davey Todd. Der 23jährige Engländer dominierte die IRRC-Saison mit neun Siegen, fuhr in Horice vorzeitig den Titel ein und auch unter den Superstars der Roadracing-Szene gilt Todd als einer der derzeit besten Nachwuchsfahrer. In Frohburg wollte der Penz13-BMW-Pilot seine Stärke mit weiteren Siegen demonstrieren, doch daraus wurde nichts. Schon im Training kämpfte Todd mit heftigen Problemen an seiner sonst so zuverlässigen Penz13-BMW. Die Elektronik spielte verrückt und sorgte dafür, dass der Motor nicht auf Touren kam oder zwischenzeitlich auch einmal ganz den Dienst versagte. Dazu kamen Probleme mit der Bremse, einem Teil des Motorrades, dem man besonders im Straßenrennsport blind vertrauen können muss.

Dagegen hatte das G&G-Team die BMW des Meisterschaftszweiten Didier Grams für dessen Heimrennen wieder einmal perfekt vorbereitet, so dass der vierfache IRRC-Meister die Pole Position herausfahren konnte. Für die Rennen hatten jedoch auch Marek Cerveny (CZE) und Danny Webb (GBR) ein Auge auf den Siegerpokal geworfen. Grams, der den ersten Lauf zunächst von der Spitze kontrollierte, konnte sich einen kleinen Vorsprung auf seine Verfolger herausfahren. Webb erwischte mit der Penz13-Yamaha keinen guten Start und musste sich erst wieder an Erno Kostamo (FIN), Lukas Maurer (SUI) und Marek Cerveny vorbei auf den zweiten Rang nach vorn kämpfen. Eigentlich hatte der IRRC-Superbike-Meister des Jahres 2018 die Hoffnung schon aufgegeben, doch als er in der Anbremszone zum „Grauen Wolf“ sah wie stark er auf Grams aufholte, mobilisierte er noch einige Reserven und konnte schließlich nicht nur die Lücke zum Führenden zufahren, sondern ihm gelang auch das entscheidende Überholmanöver zum Sieg. Didier Grams nahm mit dem zweiten Platz wichtige Meisterschaftspunkte mit, denn seine Hauptrivalen um den Vizetitel, Cerveny und Kostamo, belegten nur die Plätze drei und vier. Ihnen folgten die Kawasaki-Fahrer Lukas Maurer und David Datzer sowie der schnelle Frohburg-Neuling Marko Rättö. Für Davey Todd kam es nach den technischen Problemen im Training und Startplatz 13 noch schlimmer. Nachdem er in der siebenden Runde dem stürzenden Laurent Hoffmann ausweichen musste, war auch sein Rennen beendet.

Danny Webb (99), Didier Grams (26) und Marek Cerveny (45)

Der zweite Lauf, der letzte des Rennwochenendes, begann zunächst mit einem Rennabbruch. In der ersten Rennrunde hatte es in der schnellen Linkskurve am Steinbruch Marko Rättö erwischt. Der Finne kam mit dem Hinterrad neben die Strecke und wurde im hohen Bogen von seiner Suzuki geworfen. Der Restart über acht anstatt der ursprünglich angesetzten zehn Runden ging an Didier Grams. Über das gesamte Rennen hinweg saßen ihm die Penz13-Piloten Cerveny und Webb im Nacken, doch trotzdem Webb die schnellste Rennrunde des Wochenendes drehte, konnte Grams sich seinen insgesamt 30. Sieg auf dem Frohburger Dreieck und damit die Vizemeisterschaft in der IRRC-Superbike 2019 holen. Von den insgesamt drei Siegen an diesem Wochenende war es für Grams der bedeutendste, denn seit 2014 hatte der Dachdecker und Straßenrennfahrer nicht mehr bei einem IRRC-Lauf in Frohburg ganz oben auf dem Podest gestanden.

Hinter Cerveny und Webb kam deren Penz13-Teamkollege Davey Todd vom 13. Startplatz aus auf einem versöhnlichen vierten Platz ins Ziel. Von den technischen Problemen geplagt, wurde er zu allem Überdruss noch im vorangegangenen Rennen in einen Sturz verwickelt und musste den Finallauf mit dem Ersatzmotorrad (der Superstock-BMW) aufnehmen, welches prompt tadellos funktionierte. Ihm folgten auf den weiteren Plätzen Lukas Maurer, David Datzer und Virgil-Amber Bloemhard (NED), der ebenfalls auf dem Ersatzmotorrad antrat, nachdem er mit seiner Kawasaki am Samstag auf einer Ölspur ausgerutscht war und am Nummer-eins-Motorrad Totalschaden entstand.

Verursacher der Ölspur war Toni Rechberger, der 1990 das erste Mal auf dem Frohburger Dreieck, damals noch die Variante mit Stadtkurve, antrat. Für den Österreicher war das Rennwochenende nach dem Motorschaden beendet. „Eigentlich sollte das mein letztes Jahr werden, aber so kann man nicht aufhören. Da muss ich wohl nächstes Jahr nochmal wiederkommen“, so Rechberger am Sonntag.

Superbike OPEN

Das erste Rennen der offenen Superbike-Klasse fand am Samstagabend aufgrund der Ölspurbeseitigung eine Stunde später statt als ursprünglich geplant. Didier Grams ging vom Start weg in Führung und gab diese über die gesamte Renndistanz von zehn Runden nicht wieder her. Marek Cerveny folgte dem Sachsen zunächst, beließ es jedoch im letzten Testlauf vor den entscheidenden IRRC-Läufen am Sonntag mit dem zweiten Platz. Dritter wurde Erno Kostamo vor Lukas Maurer und Marko Rättö. Yamaha-Pilot Marcel Elsner glänzte mit einem Sieg im Duell um Platz sechs, welches er mit dem routinierten IRRC-Fahrer Tomas Borovka (CZE/Yamaha) ausgefochten hatte und schließlich mit einer Zehntelsekunde für sich entschied.

Marko Rättö (89) und Didier Grams (26)

Am Sonntag verzichteten, wie in den letzten Jahren leider üblich, viele Spitzenfahrer auf das Superbike-Rennen, welches nicht zur IRRC-Meisterschaft gehört. Die ersten beiden Startreihen waren komplett leer, so dass der Siebtplatzierte Marko Rättö freie Sicht auf die erste Kurve hatte. Das Team von Didier Grams hatte an der BMW schnell noch ein Problem mit der Traktionskontrolle behoben, so dass der Polesetter schließlich nach der Einführungsrunde auf dem letzten Startplatz Aufstellung nehmen konnte. Für den „König von Frohburg“ kein Problem, denn schon nach fünf Runden hatte er Spitzenreiter Rättö eingeholt und konnte dem Finnen bis zum Fallen der Zielflagge nach Runde zehn weitere elf Sekunden abnehmen. Auf Platz drei kam mit dem Schweden Markus Karlsson ein weiterer schneller Neuling aus Skandinavien ins Ziel. Marcel Elsner und Dominik Haslinger (AUT/Kawasaki) sahen die Zielflagge auf den Plätzen vier und fünf, noch vor dem routinierten Kesselsdorfer Udo Reichmann. Der Seitenwagen-WM-Copilot Manfred „Yeti“ Wechselberger, der 2016 in Frohburg zusammen mit Günther Bachmaier die Formel-2-Klasse in der Sidecar Trophy gewann, fuhr bei seinem Frohburg-Debüt auf zwei Rädern auf den beachtlichen elften Platz.

IRRC Supersport

In der „kleinen“ IRRC-Klasse stand die Meisterschaftsentscheidung noch aus, doch die Titelchancen von Laurent Hoffmann waren eher theoretischer Natur. Der Belgier hätte zwei Siege gebraucht um Titelverteidiger Matthieu Lagrive die Meisterschaft noch streitig zu machen. Der ehemalige Langstreckenprofi aus Frankreich gewann bisher acht der insgesamt zehn Saisonrennen und zeigte im Qualifying am Samstag einmal mehr seine Klasse. Um 1,7 Sekunden distanzierte er seinen Titelrivalen Hoffmann, eine weitere Sekunde dahinter platzierte sich Gaststarter Sheridan Morais. Der gerade einmal 1,59 Meter große Südafrikaner fuhr in Frohburg sein erstes Straßenrennen überhaupt und steigerte sich im Training Runde um Runde. Im ersten Rennen der IRRC-Supersport konnte der ehemalige Supersport-WM-Pilot schließlich das Tempo seines Penz13-Teamkollegen Lagrive mitgehen, doch Morais zeigte sich als Teamplayer. Mit 13 Sekunden Vorsprung auf Hoffmann verzichtete er auf den Angriff und überließ Lagrive den Sieg und den Titel. Auf den Plätzen vier und fünf liefen die beiden Yamaha R6 des Teams Performance Racing Achterhoek ein, wobei der junge Jorn Hamberg (NED) bei seinem ersten Frohburg-Besuch den schon einige Jahre in der IRRC aktiven Ilja Caljouw klar im Griff hatte. Hinter David Datzer und Rico Vetter fuhr der französische TT-Pilot Xavier Denis mit seiner Honda auf einen respektablen achten Rang.

Im zweiten Rennen sollte es nach der Titelentscheidung schließlich ein echtes Rennen um den Sieg geben. Lagrive und Morais schenkten sich nichts, lösten sich mehrfach an der Spitze ab und boten den zahlreichen Fans eine tolle Show. In der letzten Runde überquerte Lagrive dann plötzlich ganz allein den Zielstrich. Morais lag am Grauen Wolf bereits in Führung, als ihn wieder Bremsprobleme an der neu aufgebauten Yamaha des Penz13-Teams ereilten. Nachdem er den Abhang hinunter und wieder hinauf gefahren war erreichte er schließlich mit einer halben Minute Rückstand noch als Achter das Ziel. Christian Schmitz erbte den dritten Platz hinter Lagrive und Hoffmann, so dass das Podest auch den Meisterschaftsendstand der IRRC-Supersport wiedergab.

Jorn Hamberg wurde knapp hinter Schmitz vierter, vor Ilja Valjouw, Xavier Denis und Anssi Koski (FIN), die aufgrund des Missgeschicks von Morais in der letzten Runde alle noch einen Platz nach vorn rückten.

Matthieu Lagrive (45) und Sheridan Morais (32)

Supersport/Superstock 600/Moto2

Weil es an der neuen Yamaha R6 von Sheridan Morais im Training einige Probleme gab, musste dieser das Supersport-Rennen am Samstagabend vom fünfzehnten Startplatz aus in Angriff nehmen. Da zahlreiche IRRC-Fahrer, darunter Lagrive und Hoffmann, auf das Rennen verzichteten, konnte sich Christian Schmitz an die Spitze des Feldes setzen. Die technischen Probleme am Motorrad von Morais schienen behoben, denn der machte sich alsbald an die Verfolgung des Spitzenreiters. Der Profi ließ Schmitz an der Spitze des Rennens gewähren und sparte sich sein Überholmanöver für die letzte Runde auf. Gegen den Supersport-WM-Laufsieger schlug sich der Straßenspezialist achtbar, doch im Ziel war es Morais, der das taktisch klug gefahrene Rennen mit einer Sekunde Vorsprung gewann. Hinter den Niederländern Hamberg und Caljouw auf den Plätzen drei und vier folgten TT-Pilot Julian Trummer (AUT) und Francesco Curringa (ITA), der noch vor vier Wochen beim Manx GP die Lightwight-Klasse auf dem zweiten Platz beendete.

Im Supersportrennen legte sich Sheridan Morais (32) IRRC-Pilot Christian Schmitz für die letzte Runde zurecht. Für den Südafrikaner war es der erste Sieg in seinem ersten Straßenrennen.

Im zweiten Rennen verzichtete auch Sheridan Morais auf einen Start, so dass Christian Schmitz mit zehn sauber gefahrenen Runden den ersten Sieg seiner Karriere als Straßenrennfahrer einfahren konnte. Jorn Hamberg und Ilja Caljouw vom Team Performance Racing Achterhoek umrahmten den strahlenden Sieger auf dem Podest, Max Gaube vom Team Schleizer Dreieck wurde Vierter vor Curringa und Trummer, der in der letzten Kurve Opfer eines misslungenen Überholmanövers von Rico Vetter wurde. Während Vetter zu Boden musste und damit aus dem Rennen war, rettete Trummer den sechsten Platz über die Ziellinie.

Twins/Monos

In der gemischten Ein- und Zweizylinderklasse gaben einmal mehr die schnellen Paton vom Team VAS Racing den Ton an, und das nicht nur in der Zeitenliste, sondern auch weit hörbar um das Frohburger Dreieck. In den vergangenen beiden Jahren siegte TT-Pilot Stefano Bonetti jeweils in beiden Rennen, in diesem Jahr wollte der schnelle Italiener mit dem Superbike in das Geschehen eingreifen, doch leider musste Bonetti aufgrund einer Verletzung auf den geplanten Start vezichten.

Die Paton-Teamkollegen Andrea Majola (769) und Pierre-Yves Bian (199) lieferten sich ein spannendes Rennen bei den Twins.

Auf den schnellen Paton saßen der frisch gebackene Newcomer Manx GP Sieger Pierre-Yves Bian (FRA) und Andrea Majola (ITA), wobei sich Bian mit 1,5 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen die Pole Position sichern konnte. Ganze 4,5 Sekunden Vorsprung waren es dann schon auf den Drittplatzierten Petr Najman (CZE), dessen Kawasaki jedoch auch über einige PS weniger verfügen sollte.

Im ersten Lauf am Samstagabend lieferten sich Bian und Majola dann eine sehenswerte Show und lösten sich mehrfach an der Spitze ab. Die Entscheidung um den Sieg sollte in der letzten Runde fallen, aber sie fiel nicht auf der Strecke. Während Majola dem Sieg entgegenfuhr, stotterte die Paton von Pierre-Yves Bian nur noch. Der ehemalige französische Bergmeister erreichte den Zielstrich schließlich mit Unterstützung des linken Fußes und sieben Sekunden Rückstand als Zweiter. Um den dritten Rang balgten sich die Tschechen Petr Najman und Jan Markalous, doch Najman kam aus der achten Runde nicht zurück, so dass Markalous sich über den Pokal freuen durfte. Der Erzgebirger Stefan Holz sah die Zielflagge als Vierter, vor Daniel Flemming und Nico Kehrer auf dem besten Einzylindermotorrad.

Im zweiten Lauf ließ Pierre-Yves Bian nichts anbrennen und distanzierte Majola nach zehn Runden um über 14 Sekunden. Petr Najman, Jan Markalous, Stefan Holz und Nico Kehrer kamen auf die weiteren Plätze.

2 Takt

Mit zwei Klassen ließen die Zweitakter die Herzen der Fans höher schlagen. In der Klasse 2 Takt Klassik war der Brite Luke Notton auf der 350ccm-Harris-Yamaha unschlagbar. Chris Meyer und Steffen Grämer bewegten ihre kleinen 125ccm gekonnt um das Dreieck und kamen jeweils auf die Plätze zwei und drei.

Ebenso überlegen war der ehemalige 250ccm-EM-Pilot Anders Blacha mit seiner Yamaha TZ in der Klasse 2 Takt GP. Doppelstarter Chris Meyer wurde jeweils Zweiter, die dritten Plätze teilten sich Gerhard Mitter und Bernard Depierreux (BEL).

Nach einem gelungenen Rennwochenende kann der MSC Frohburger Dreieck nun die Vorbereitungen für das 58. Internationale Frohburger Dreieckrennen treffen. Dann wird es 60 Jahre nach dem ersten Rennen auf dem Frohburger Dreieck vielleicht wieder eine oder sogar zwei spannende Meisterschaftsentscheidungen zum Saisonabschluss der IRRC 2020 geben.

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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