58. Int. Frohburger Dreieckrennen: Grams und Bian sind die neuen IRRC-Meister

In 60 Jahren konnte das Frohburger Dreieckrennen nur in drei Jahren nicht ausgetragen werden: 1968 rollten statt Rennmotorrädern sowjetische Panzer auf der Hauptverbindungsstraße südlich von Leipzig zum Prager Frühling in die damalige Hauptstadt der Tschechoslowakei, 1991 erhielt die Strecke nach der deutschen Wiedervereinigung zunächst keine Zulassung und 2001 war ein Mangel an Teilnehmern der Grund. Letztgenannte Absage war unter anderem der Auslöser für die Gründung des 3-Nationen-Cups (heute IRRC) und vielleicht werden wir in einigen Jahren auch dem Corona-Jahr 2020 und der insgesamt vierten Absage des Dreieckrennens in Frohburg etwas Positives abringen können. Der MSC Frohburger Dreieck musste zwar seine Jubiläumsveranstaltung zum sechzigsten Jahrestag im vergangenen Jahr auslassen, konnte aber mit den sonst im Rahmen der IDM stattfindenden Klassen Pro Superstock Cup und Twin Cup neue Gäste an seine Straßenrennstrecke locken. Auch in den beiden IRRC-Klassen Superbike und Supersport war die Titelentscheidung noch offen und somit für reichlich Spannung gesorgt.

Start zum ersten IRRC-Superbike-Rennen

IRRC Superbike

Bei einsetzendem Nieselregen rutschte Meisterschaftsleader Lukas Maurer im ersten Qualifying am Samstag im Anflug auf die Schikane aus und flog heftig ab. Der Schweizer war nach einem ersten Check zunächst aus dem Medical Center entlassen worden, am Abend verschlechterte sich jedoch sein Zustand, woraufhin im Krankenhaus eine Hirnblutung festgestellt wurde. Inzwischen geht es Maurer wieder besser, doch die Titelhoffnungen des mit 10 Punkten Vorsprung angereisten dreifachen Saisonsiegers waren damit nur noch theoretischer Natur.

Während seine Konkurrenten von Beginn an auf Zeitenjagd gingen, hatte Didier Grams die ersten Trainingssitzungen auf seiner Heimstrecke zunächst langsam angehen lassen. Rechtzeitig zum IRRC-Qualifying drehte der Limbach-Oberfrohnaer dann auf und sicherte sich den zweiten Startplatz und damit die beste Ausgangsposition für die Rennen, denn die Pole-Position von Lukas Maurer blieb am Sonntag frei.

Didier Grams siegt in Lauf 1

Zusammen mit seinem BMW-Kollegen David Datzer fuhr Grams dem Feld auf und davon. Mit schnellen 1:34er Zeiten legten die beiden Deutschen etwa eine Sekunde pro Runde zwischen sich und ihre Verfolger. Als Datzer dann in Runde vier die Kette riss war der Weg zum Sieg für Didier Grams endgültig frei. Mit den 25 Punkten für den ersten Platz hatte sich Grams auch den IRRC-Superbike-Titel gesichert, den inzwischen fünften nach 2010, 2011, 2013 und 2014. Die Freude war groß aber dennoch etwas getrübt, denn lieber hätten der Publikumsliebling und seine Fans die Titelentscheidung im Rennen mit Lukas Maurer gesehen. Virgil-Amber Bloemhard, Marek Cerveny und Laurent Hoffmann lieferten sich einen sehenswerten Kampf um die verbleibenden Podestplätze. Bloemhard hatte schließlich das Vorderrad seiner Kawasaki auf dem Zielstrich vorn und konnte Hoffmann und Cerveny auf die Plätze drei und vier verweisen. Hinter Joey den Besten erreichte Gaststarter Julian Trummer aus Österreich den sechsten Platz.

Auch im zweiten Lauf ließ Grams nichts anbrennen. Mit dem Meistertitel im Rücken nahm er der Konkurrenz Sekunde um Sekunde ab. Auf den folgenden Plätzen lieferten sich Hoffmann, Bloemhard, Cerveny und Datzer ein gutes Rennen, das sie in dieser Reihenfolge auf Rang zwei bis fünf beendeten. Dass David Datzer dabei nicht ganz die Pace der Führenden mitgehen konnte, hatte einen Grund. Im ersten Lauf verfing sich die gerissene Kette im Hinterrad und brachte den 29jährigen zu Sturz. Seine linke Hand war bei dem Aufprall am Vormittag arg in Mitleidenschaft gezogen worden. „Zwei Finger sind bestimmt gebrochen und das Handgelenk glaube auch“, so der sympathische Bayer, der sich nach dem zweiten Rennen mit der Ersatzmaschine nicht einmal den Helm selbst abnehmen konnte, aber für seine Fans auf die Zähne biss. Hinter Julian Trummer auf Platz sechs zeigte Frohburg-Neuling Amalric Blanc aus Frankreich mit Platz sieben eine starke Leistung, Joey den Besten sicherte sich mit dem achten Platz die notwendigen Punkte für den dritten Platz in der IRRC-Endwertung.

IRRC Supersport

Auch bei den Supersportlern entschied aufgrund des Regens am Samstagnachmittag das erste Qualifying über die Startaufstellung. So fand sich der Meisterschaftsführende Pierre-Yves Bian mit seiner Kawasaki nur auf dem vierten Startplatz in der zweiten Reihe wieder. Die Pole-Position ging an Jorn Hamberg, der seinen Teamkollegen Ilya Caljouw knapp auf den zweiten Platz verwies. Im Rennen fand Bian schnell den Weg an die Spitze. Der Tscheche Petr Najman konnte sich mit seiner Triumph zunächst noch im Windschatten des Franzosen halten, doch in der Bridgestone-Kurve klappte Najman in Runde sieben das Vorderrad weg. So konnte sich das Performance Racing Team Achterhoek über die Plätze zwei und drei seiner beiden Yamaha-Fahrer freuen. Bian gewann das Rennen souverän und sicherte sich damit auch den IRRC-Supersport-Titel 2021. Bei der Marseillaise zur Siegerehrung flossen dann auch ein paar Freudentränen, denn für den Franzosen war es ein langer Weg aus der Berg-Meisterschaft seiner Heimat in die IRRC, sein erster Laufsieg beim Rennen in Imatra 2017 und nun endlich der Titel.

Im Zweiten Rennen wählte Bian in Führung liegend nach wenigen Runden in der Bridgestone-Kurve freiwillig den Notausgang und ließ das gesamte Feld passieren. Mit dem Titel in der Tasche überließ er den Sieg im letzten Rennen der Konkurrenz. Vizemeister Ilja Caljouw konnte den gegen Rennende immer stärker aufkommenden Jorn Hamberg schließlich in Schach halten und nahm den Siegerkranz mit nach Hause. Dritter wurde Rückkehrer Thomas Walther, der nach seinem schweren Sturz in Horice 2019 sein lange erwartetes Comeback als Gaststarter gab. Petr Najman belohnte sein Team für die Reparatur der Triumph Daytona 675 mit dem vierten Platz. Auf den Plätzen fünf und sechs folgten Max Gaube und Rico Vetter.

Pro Superstock Cup

Keine Scheu vor dem Frohburger Dreieck zeigte der Meisterschaftsführende Côme Geenen bei seinem Debüt auf der schnellen Straßenrennstrecke. Der kleingewachsene Belgier war im Qualifying mit niedrigen 1:34er Zeiten sofort in der Spitzengruppe dabei. Sein Konkurrent in der Meisterschaft, David Datzer, startete von Pole-Position, musste seine BMW aber schon in der ersten Runde mit technischem Defekt abstellen. So konnte Geenen unangefochten zum Sieg fahren. Gaststarter Didier Grams nutzte das Rennen am Morgen, um sich warm zu fahren und lief fünf Sekunden nach dem Belgier im Ziel ein. Bei der Siegerehrung der besten Superstock-Cup-Fahrer nahmen die Sachsen Rico Löwe (im Rennen 6.) und Udo Reichmann (im Rennen 8.) Côme Geenen in die Mitte.

Auch im zweiten Lauf blieb der schnelle BMW-Pilot ohne Gegner, da neben Grams und Datzer viele weitere IRRC-Piloten auf einen Start verzichteten. Gaststarter Julian Trummer folgte Côme Geenen auf Rang zwei, dritter wurde mit Rico Löwe ein weiterer Cup-Pilot. Hinter Gaststarter Markus Karlsson aus Schweden erreichte Udo Reichmann das Ziel als Gesamtfünfter und sicherte sich damit 16 Punkte und einen Platz auf dem Cup-Podest. Der Wirrwarr zwischen Cup-Fahrern und Gastfahrern verwirrte dabei insbesondere bei der Siegerehrung so manchen Zuschauer.

Rico Löwe (links) und Udo Rechmann (rechts) mit dem Sieger Côme Geenen

Twin Cup

Ohne Verkleidung oder Windschutzscheibe, lang gestreckt auf der Kawasaki Z650, Yamaha MT07 oder Suzuki SV650 und wenn möglich noch den Hintern auf den Höcker gesetzt, dabei die Gashand immer durchgestreckt, so ging es für die Teilnehmer des Twin Cups zwei Tage über die langen Geraden des Frohburger Dreiecks. Meisterschaftsleader Johann Flammann hatte den Dreh im Training am besten raus und holte sich die Pole-Position mit sage und schreibe sieben Zehntelsekunden Vorsprung vor Kevin Wüst.

Das erste Rennen am späten Samstagnachmittag fand noch bei abtrocknenden Bedingungen statt. Flammann konnte sich vom Start weg absetzen und siegte schließlich nach zehn Runden mit über drei Sekunden Abstand auf Kevin Wüst. Justin Hänse folgte nach weiteren zehn Sekunden auf Platz drei. Am Sonntag verwöhnten die Cupies das Publikum dann bei trockenen Bedingungen mit bestem Motorradsport. Flammann, Wüst und dazu Felix Klinck und Nicolai Kraft schenkten sich gegenseitig richtig ein. Den Windschatten ausnutzend überholten sich die vier in jeder Runde. Am Ende hatte Kraft nach einem harten Anbremsmanöver in die Hartmut-Wagner-Kurve die Nase vorn. Klink und Wüst komplettierten das Podest, Flammann nahm auf Platz vier wichtige Meisterschaftszähler mit.

Entscheidung in der letzten Ecke: Nicolai Kraft (53) ist etwas zu spät dran, kann sich aber bis zum Zielstrich vor Felix Klinck (18) und Kevin Wüst (42) halten.

OPEN Supersport/Superstock 600/Moto2

Nur ein Rennen für die offene Supersportklasse passte dieses Jahr in den eng gestrickten Zeitplan der Frohburger. Am Ende wurden es dann doch zwei Starts, denn zunächst war Stefan Wauter in der Schikane gestürzt und sorgte so für die rote Flagge.

Nach dem Restart ging Jorn Hamberg in Führung, musste die Yamaha R6 aber bereits nach einer Runde mit technischem Defekt abstellen. So war der Weg für seinen Niederländischen Landsmann Ilja Caljouw frei, der das auf sieben Runden verkürzte Rennen vor dem Schleizer Thomas Walther gewann. Um den dritten Platz stritten sich Mauro Poncini und Max Gaube. Nach einigen harten Ausbremsmanövern hatte schließlich der Yamaha-Pilot aus Großharthau sein Vorderrad knapp vor dem des Schweizers.

Max Gaube (7) lieferte sich mit Mauro Poncini (384) einen harten Kampf um Platz drei.

2 Takt GP

Die Läufe der GP-Klasse beherrschte der Zwickauer Chris Meyer mit seiner 250er Honda. Im ersten Rennen konnte er Hans Wieser auf der wunderschönen Suter MMX 500 knapp auf den zweiten Platz verweisen, im zweiten Lauf stürzte Wieser bei dem Versuch sich gegen Meyer zu behaupten. So erbten Christopher Eder und Hans-Peter Loda die Plätze zwei und drei.

2 Takt Klassik

Mit seiner Yamaha TZ350 bestimmte Günter Hinze in beiden Läufen der 2 Takt Klassik das Tempo. Zunächst stürzte Christopher Eder mit seiner 125er KTM im ersten Lauf bei dem Versuch den stärker motorisierten Hinze auszubremsen, danach war nur noch Chris Meyer auf der 125er Honda in Schlagdistanz. Im zweiten Rennen fuhren die 125er mit Meyer, Eder, Steffen Grämer auf der Aprilia und René Knöfler auf der Yamaha zur Freude der Zuschauer ihr eigenes Rennen. Hinter Günter Hinze kamen Christopher Eder, Chris Meyer und Steffen Grämer auf die Plätze zwei bis vier. René Knöfler musste das Rennen leider kurz vor Schluss mit technischem Defekt aufgeben.

Die 125er-Bande: Christopher Eder (72), Steffen Grämer (82), Chris Meyer (122) und René Knöfler (13)

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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