Start ins zweite IRRC-Superbike-Rennen

59. Int. Frohburger Dreieckrennen: Fahrer und Fans trotzen dem Regen und der Kälte

Regen, Regen und nochmals Regen, so lautete die Vorhersage für die 59. Auflage des traditionsreichen Frohburger Dreieckrennens. Viel Zeit hatten die Mitglieder des MSC Frohburger Dreieck in die Vorbereitung der Veranstaltung gesteckt und so war es zumindest ein kleiner Trost, dass es entgegen der Ansage an beiden Veranstaltungstagen zwischenzeitlich auch immer wieder für längere Zeit aufklarte. Die eingefleischten Road-Racing-Fans ließen sich sowieso weder vom angekündigten Niederschlag, noch von Temperaturen um die 10°C abschrecken. Mit Gummistiefeln, dicker Jacke, Regencape und Schirm bewaffnet bezogen sie wie jedes Jahr am frühen Morgen ihre Plätze auf dem Rübenacker, um ihren Helden auf zwei Rädern zuzujubeln. Diese bedankten sich mit einer hervorragenden Show aus spannenden Rennen und fair ausgetragenen Duellen.

IRRC Superbike

Die Meisterschaftsentscheidung zwischen David Datzer und Vincent Lonbois bestimmte in der IRRC Superbike das gesamte Finalwochenende. Nur drei Punkte Vorsprung auf den Belgier brachte der Gesamtführende Datzer mit an das Frohburger Dreieck, welches der Bayer zu seinen Lieblingsstrecken zählt. In den letzten Minuten des zweiten Qualifyings nutzte der BMW-Pilot am Samstag die trockene Strecke aus, um sich mit einer Rundenzeit von 1:34,620 min die Pole-Position zu sichern. Der überraschend schnelle Gastfahrer und Frohburg-Neuling Clinton Seller fuhr mit der Penz13-Honda den zweiten Startplatz ein.

Im ersten Lauf gelang David Datzer ein perfekter Start, doch direkt hinter ihm war sein Hauptkonkurrent Vincent Lonbois vom fünften Startplatz auf den zweiten Platz nach vorn geschossen. Der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Meister Didier Grams hatte auf Platz drei den besten Blick auf den Zweikampf um die Führung im Rennen, in dem es gleichzeitig um die Meisterschaft ging. Yamaha-Pilot Lonbois hatte schließlich das bessere Ende für sich, konnte sich in Führung liegend absetzen und fuhr seinem fünfen Saisonsieg entgegen. Hinter ihm machten die beiden deutschen BMW-Piloten gemeinsame Sache. Lokalmatador Didier Grams winkte Datzer auf der Start-und-Ziel-Gerade noch vorbei, so dass dieser die Punkte für den zweiten Platz mitnahm. Die Meisterschaftsführung verlor Datzer dennoch an Lonbois, der die Gesamtwertung nun seinerseits mit zwei Punkten vor dem Bayern aus Vilsbiburg anführte.

Der Belgier Laurent Hoffmann hatte das Rennen nach einem starken Training vom dritten Startplatz aus aufgenommen, schied jedoch mit einem Sturz aus der Spitzengruppe aus. Auf den Plätzen vier bis sechs folgten Virgil-Amber Bloemhard, Erno Kostamo und der Schweizer Lukas Maurer, der seine Titelchancen mit diesem Ergebnis abhaken musste.

Das Rennen um den IRRC Superbike Titel bildete am Sonntagnachmittag den Höhepunkt des 59. Frohburger Dreieckrennens. Schwere Wolken waren in der Zwischenzeit aufgezogen und hatten die Strecke beregnet, so dass alle mit Regenreifen ausrückten. Wieder erwischte David Datzer den besten Start und ging als führender in die erste Kurve, doch beim Herausbeschleunigen rutschte dem Titelkandidaten das Hinterrad weg. Datzer konnte die schlingernde BMW nicht mehr halten und ging zu Boden. Somit konnte nur noch ein Ausfall von Lonbois das Titelrennen zu Datzers Gunsten entscheiden. Der eilte dem Feld hinterher, um für diesen Fall die entscheidenden Meisterschaftszähler einzufahren, doch der Belgier ging bei den schwierigen Bedingungen kein Risiko ein und sicherte seine zweite Meisterschaft nach 2016 mit einem siebenten Platz ab.

An der Rennspitze fuhr der achtfache südafrikanische Meister Clinton Seller auf der Penz13-Honda einem souveränen Sieg entgegen. Lukas Maurer und Markus Karlsson mussten Seller gegen Rennende ziehen lassen und belegten die verbleibenden Podestplätze. Trotz 10°C Außentemperatur und nassen Streckenverhältnissen zeigte der Südafrikaner Seller bei seinem ersten Auftritt in Frohburg eine eindrucksvolle Leistung, die er mit dem Sieg im Hauptrennen krönte.

Hinter Erno Kostamo und Didier Grams beendete der Hohenstein-Ernstthaler Nico Müller ein für ihn erfolgreiches Wochenende mit dem sechsten Platz.

David Datzer erreichte schließlich noch als Fünfzehnter das Ziel. Die Enttäuschung über den verlorenen Titelkampf war ihm klar anzusehen. Doch schon wenig später hatte der Bayer zu seiner positiven Grundstimmung zurückgefunden: „Ich bin nicht traurig, wir hatten eine geile Saison und nächstes Jahr kommen wir noch stärker zurück“ ließ Datzer wissen. Mit zwei Doppelsiegen in Hengelo und Chimay hatte Lonbois bereits früh den Grundstein für die Meisterschaft gelegt. Nur ein schwaches Wochenende des Belgiers nach einem Trainingssturz in Imatra verhinderte einen noch deutlicheren Gesamtsieg in diesem Jahr.

IRRC Supersport

Beim Saisonauftakt in Hengelo legte Jorn Hamberg gleich mit einem Doppelsieg vor, doch im Verlauf der Saison gewann der Tscheche Marek Cerveny die Oberhand. In Frohburg war der Niederländer wieder eine Klasse für sich. Trotz wechselhafter Bedingungen im Training sicherte sich Hamberg die Pole-Position und zeigte in den Rennen starke Rundenzeiten. Im ersten IRRC Supersport-Rennen konnte ihm nur der Gaststarter Gary Johnson folgen. Der zweifache TT-Sieger aus Großbritannien rollte jedoch nach sechs Runden mit seiner Triumph an die Box. „Das Benzin war alle“ gab Johnson das Missgeschick unumwunden zu. So rutschte der Schleizer Thomas Walther noch auf den zweiten Platz nach vorn und Marek Cerveny konnte den Gewinn seiner dritten IRRC Supersport-Meisterschaft (nach 2015 und 2016) mit einem Platz auf dem Treppchen gebührend feiern.

Während Hamberg triumphierte, schied sein Teamkollege Ilja Caljouw schon früh nach einer Kollision am Start aus. Im Team Schleizer Dreieck war die Freude groß: neben Platz zwei für Thomas Walther gab es auch einen hervorragenden vierten Platz für Sebastian Frotscher zu feiern.

Das zweite Rennen auf nassem Asphalt wurde erneut zur Beute von Jorn Hamberg. Obwohl der frisch gebackene Meister Marek Cerveny diesmal mehr Risiko einging, fand er keinen Weg an Hamberg vorbei und begnügte sich schließlich mit dem zweiten Platz vor Thomas Walther und Erwan Bannwart. Auf den Plätzen fünf und sechs folgten die Franzosen Kevin Rigot und Julien Cregniot, die bei den schwierigen Streckenverhältnissen brillierten. Ihr Landsmann Romain Cleaz-Savoyen schied nach sieben Runden auf Platz drei liegend aus.

OPEN Superbike

Die meisten Fahrer nutzen die offene Superbike-Klasse in Frohburg nur als eine weitere Trainingsmöglichkeit. Dass viele Teilnehmer auf einen Start im dicht gedrängten Zeitplan am Sonntag verzichten ist nicht neu, die nassen Witterungsbedingungen taten in diesem Jahr allerdings ihr Übriges. Einer der es sich nicht nehmen ließ die an der Strecke ausharrenden Fans am Sonntagmorgen zu unterhalten war der Südafrikaner Clinton Seller, der auch gleich die Führung im Rennen übernahm und gestandene 20 Sekunden auf den zweitplatzierten Didier Grams herausfuhr. Dritter wurde Erno Kostamo vor Virgil-Amber Bloemhard.

Am Nachmittag wollte Seller das Kunststück wiederholen und fuhr bei Regenbedingungen Kreise um die Konkurrenz, bis ihm nach der Hälfte der 10-Runden-Distanz beim Anbremsen der Hartmut-Wagner-Kurve das Vorderrad einklappte. Der Südafrikaner musste zum zweiten Mal zu Boden, nachdem er bereits im ersten IRRC-Lauf ausgerutscht war. „Naja. Zwei Stürze, zwei Siege“, so das knappe Fazit von Teamchef Rico Penzkofer. Damit erbte der Finne Erno Kostamo den Sieg. David Datzer war im zweiten OPEN-Rennen nachgestartet, um sich für das nasse IRRC-Finale warm zu fahren. Von ganz hinten räumte er das Feld auf und fuhr bis auf den zweiten Platz nach vorn. Groß war die Freude im Müller-Motorsport-Team, denn Nico Müller sicherte sich mit Platz drei seinen ersten Podestplatz auf dem Frohburger Dreieck. Ihm folgten Markus Karlsson und Rico Löwe auf den Plätzen vier und fünf.

Supersport/Superstock 600/Moto2

Schon am Samstagnachmittag wurde das erste offene Supersport-Rennen ausgetragen. Wie auch in der IRRC-Supersport war Jorn Hamberg eine Klasse für sich. Gary Johnson folgte der roten Yamaha-R6 von Performance Racing Achterhoek, doch er fand keinen Weg vorbei am jungen Niederländer. So musste sich der erfolgreiche Straßenrennpilot aus Großbritannien mit dem zweiten Platz vor Marek Cerveny zufrieden geben. Thomas Walther wurde Vierter während sich Rico Vetter im Kampf um den fünften Platz erfolgreich gegen Mauro Ponchini durchsetzte.

Ein trauriges Bild zeigte sich im zweiten Rennen. Nur zwölf Starter fanden sich in der Startaufstellung ein. Mit Hamberg und Johnson waren zumindest die beiden Hauptprotagonisten des Vortags mit dabei. Diesmal versuchte es Gary Johnson mit der Dreizylinder-Triumph aus dem Windschatten heraus an Hamberg vorbeizukommen, doch beim Anbremsen der Hartmut-Wagner-Kurve war er dann zu spät dran und musste den Notausgang wählen. Beim Umdrehen kippte Johnson dann zu allem Überfluss noch das Motorrad um, was einen noch größeren Zeitverlust bedeutete. Mit viel Wut im Bauch hetzte der TT-Star dem Feld hinterher und fuhr mit der schnellsten Rennrunde wieder auf den sechsten Platz nach vorn. Es siegte Hamberg vor Rico Vetter und Sebastian Frotscher.

Twin Cup

Acht Rennen, acht Siege, so lautete das Zwischenzeugnis mit dem Justin Hänse zum Frohburger Dreieck anreiste. Eigentlich hätte er schon hier den Sack zu machen sollen, doch dass daraus nicht wurde, daran hatte er auch selbst einen nicht unerheblichen Anteil. Sieben Runden lang führte der Yamaha-Pilot aus Niederpöllnitz das erste Rennen an, bis dieses mit der roten Flagge abgebrochen werden musste. Den Grund dafür hatte der Meisterschaftsanwärter selbst geliefert, denn Hänse stürzte an der Schikane und warf damit den neunten Saisonsieg in Folge weg. Als Auslöser des Rennabbruchs wurde Justin Hänse nicht gewertet und mit Jan Gerwin ging sein nächster Verfolger in der Punktetabelle als Sieger hervor. Paul Friese und Timo Krüger belegten die Plätze zwei und drei.

Bei regennassen Bedingungen fuhr Justin Hänse am Sonntag wiederum dem Feld voran. Paul Friese konnte jedoch das Tempo des Twin-Cup-Dominators mitgehen. Friese, der am Vortag bereits mit dem zweiten Platz vorliebnehmen musste, wollte diesmal nicht nur einen Platz besser abschneiden, er hätte auch der erste sein können, der Justin Hänse in diesem Jahr im Rennen bezwingt. Im Anflug auf die letzte Kurve überbremste Friese jedoch seine Kawasaki und riss Hänse gleich mit zu Boden. Einmal mehr erbte so Jan Gerwin den Sieg und auch der Gesamtsieg im Twin Cup 2022 bleibt damit bis zum Finale am nächsten Wochenende in Hockenheim offen. Nach dem Missglückten Manöver in der letzten Kurve rückten Timo Krüger und Rick Freiheit auf die Plätze zwei und drei vor.

Auch die im Twin-Cup vergleichsweise zahlreich vertretenen Frauen ließen auf dem schnellen Frohburger Dreieck das Gas stehen. Allen voran Jessica Langstädtler, die im ersten Rennen einen hervorragenden sechsten Platz belegte.

2 Takt Trophy

Viel zu schrauben gab es für die Vertreter der 2 Takt Trophy. Nicht nur die Reifenwahl wollte den sich ständig ändernden Witterungsbedingungen angepasst werden, auch die Einstellungen und Zündkerzen an den sensiblen 2-Takt-Triebwerken bedurften viel Liebe und Aufmerksamkeit.

In der Klasse 2-Zakt-Klassik siegte am Sonntagmorgen Christopher Eder vor Lorenzo Tiveron und Stefan Grunert. Am Nachmittag hatten die 125ccm-Piloten gegen Günter Hinze auf der stärkeren 350ccm-Yamaha das Nachsehen, der sich den Gesamtsieg sicherte. In ihrem eigenen Rennen zeigten sie den Zuschauern dennoch eine gute Show und wieder war es Eder, der Tiveron und Grunert auf die Plätze verwies. Chris Meyer, der sich in diesem Jahr bei den irischen Straßenmeisterschaften den Titel des Vize-Champions in der Klasse bis 125ccm sichern konnte, wurde jeweils Vierter in dieser Kategorie.

Bei der 2-Takt-GP Klasse gab Anders Blacha das Tempo vor. Er siegte in beiden Rennen vor Christopher Eder. Die dritten Plätze teilten sich der Schleizer Uwe Elschner und Chris Meyer.

Für den MSC Frohburger Dreieck war es kein einfaches Wochenende. Die schlechte Wetterprognose mag den einen oder anderen Besucher abgehalten haben und auch einige namhafte Fahrer, die ihre Nennung abgegeben hatten, verzichteten schließlich auf die Anreise. Zu allem Überfluss sorgte dann auch noch eine nicht unerhebliche Ölspur am Samstagmorgen für eine längere Verzögerung im Ablauf. Dennoch schauen die Verantwortlichen positiv ins nächste Jahr. Auch 2023 wird das IRRC-Finale wieder auf dem Frohburger Dreieck stattfinden. Zum 60. Frohburger Dreieckrennen wird dann auch das im Jahr 2020 ausgefallene 60-jährige Jubiläum der Straßenrennstrecke nachgeholt.

Ein weiteres Jubiläum steht nächstes Jahr in Schleiz an. Zum 100. Mal jährt sich dann das erste Schleizer Dreieckrennen. Zur großen Jubiläumsveranstaltung Anfang Juni wird auch die IRRC zur Traditionsrennstrecke nach Thüringen zurückkehren, wo bereits 2010, 2011, 2012 und 2017 IRRC-Wertungsläufe ausgetragen wurden.

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Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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