Glasbachrennen und Ibergrennen zum Zwanzigsten

In Sachen Bergrennsport kann Thüringen auf eine lange Tradition zurückblicken. Das erste Gabelbach-Bergrennen fand bereits 1913 in Ilmenau statt. Später fuhr man auf den anspruchsvollen Bergstraßen von u.a. Kyffhäuser, Inselsberg, Adlersberg und Heuberg Rennen aus. Sogar auf dem Schleizer Dreieck fuhren die Piloten zwischen Seng und Buchhübel allein im Kampf gegen die Uhr. Anno 2015 vertreten das Ibergrennen (27./28. Juni) in Heilbad Heiligenstadt und das Glasbachrennen (25./26. Juli) bei Bad Liebenstein den Freistaat Thüringen im Kalender der Deutschen Bergmeisterschaft. Die beiden Rennen feiern dieses Jahr jeweils ihre zwanzigste Auflage.

Das Zweite war auch schon wieder das Letzte Rennen. Erst nach der Wende lebte das Ibergrennen wieder auf.

Das Zweite war auch schon wieder das letzte Rennen. Erst nach der Wende lebte das Ibergrennen wieder auf.

Die Historie des Rennens auf dem Heiligenstädter Holzweg reicht zurück bis in die 1920er Jahre, als erste Bergprüfungsfahrten für Motorräder auf der Strecke ausgetragen wurden. 1976 entdeckten Aktive des örtlichen Motorsportclubs die vier Kilometer lange Bergstraße mit bis zu 10% Steigung für das 1. Ibergrennen für Motorräder und Automobile wieder. Mit viel Enthusiasmus, einer selbstentwickelten Lichtschranke für die Zeitnahme und Ausrüstung zur Streckenbeschallung von der NVA ließ der MC Heilbad Heiligenstadt die Bergrenntradition neu aufleben. Doch schon im darauffolgenden Jahr ereignete sich in der Motorradklasse ein tödlicher Unfall, der das Aus für das aufstrebende Rennen im damaligen Zonenrandgebiet bedeutete. Wieder fiel die Bergrenntradition im Eichsfeld in einen Dornröschenschlaf. Dieser dauerte ganze zwanzig Jahre und in der Zwischenzeit veränderte sich auch die Lage der Rennstrecke: einstmals Zonenrandgebiet, befand sich Heiligenstadt nun im Herzen des wiedervereinigten Deutschland.

Posten 7: die Naturtribüne von Heiligenstadt beim Ibergrennen 2014

Posten 7: die Naturtribüne von Heiligenstadt beim Ibergrennen 2014

1997 erklangen dann auf den zwei steilsten Kilometern der Strecke wieder die Rennmotoren. In den folgenden Jahren etablierte sich der traditionelle Termin am letzten Juni-Wochenende. Inzwischen zu einer festen Größe im Kalender der Deutschen Automobilbergmeisterschaft und des KW-Berg-Cups geworden, feiert das Ibergrennen am 27./28. Juni 2015 seine zwanzigste Auflage mit einer Premiere. Ganz in der Tradition der frühen Bergprüfungsfahrten zur Erprobung der damals noch jungen Motorradtechnik, werden erstmals Elektrofahrzeuge im Rahmen der Veranstaltung antreten, um ihre Leistungsfähigkeit miteinander zu messen. Eigens für das Jubiläumsrennen wurde sogar eine Website angelegt: www.20race.com.

Zum 1. Glasbachrennen kamen 6000 Zuschauer. Hans Scharfe gewann auf seinem Melkus RS 1000 die Klasse der Rennsportwagen bis 1150ccm. (Foto: Menger)

Zum 1. Glasbachrennen kamen 6000 Zuschauer. Hans Scharfe gewann auf seinem Melkus RS 1000 die Klasse der Rennsportwagen bis 1150ccm. (Foto: Menger)

Auch in der Nähe eines anderen thüringer Kurortes wird der Bergrennsport seit langer Zeit groß geschrieben. 1974 wurde das Glasbach-Bergrennen bei Bad Liebenstein erstmals ausgetragen. Auf über fünf Kilometern führt die anspruchsvolle Straße durch das Tal des Kailenbachs hinauf zum Rennsteig. Hier treffen gleich drei Bergrennstrecken des Thüringer Waldes aufeinander, denn bis 1982 befand sich hier auch der Zielbereich des Ruhlaer Bergrennens und später nur einen Steinwurf entfernt an der Ruhlaer Skihütte auch der des Rennsteig-Bergrennens. Nachdem es beim 15. Glasbachrennen im Juli 1991 unter der Sommerhitze zu erheblichen Straßenschäden kam, konnten in den folgenden Jahren keine Wettbewerbe mehr durchgeführt werden.

Video: 11. Glasbachrennen 1984

Erst zehn Jahre später formierte sich mit der RSG Altensteiner Oberland wieder ein starker Verein, der sich den Erhalt der Bergrenntradition im Thüringer Wald auf die Fahnen schrieb. 2005 trug der Verein erfolgreich die Premiere des Rennsteig-Bergrennens aus. Differenzen mit einem Privatwaldbesitzer sorgten dafür, dass die mit viel Aufwand präparierte Strecke durch das Emsetal schon 2009 wieder aufgegeben werden musste. Die vielen ehrenamtlichen Helfer machten jedoch zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Marcus Malsch aus der Not eine Tugend. Man ließ kurzerhand das wenige Kilometer entfernte Glasbach-Bergrennen auf der Südseite des Großen Inselsbergs wieder aufleben. Schon 2011 konnte wieder auf einem Teilstück der selektiven Strecke das 16. Glasbachrennen ausgetragen werden.

Europas modernste Bergrennstrecke: Das Glasbachrennen setzt neue Maßstäbe im Bergrennsport

Europas modernste Bergrennstrecke: Das Glasbachrennen setzt neue Maßstäbe im Bergrennsport

Nachdem der Straßenbelag auf den gesamten 5,5 Kilometern erneuert, ein selbst entwickeltes hochmodernes Streckensicherungssystem erfolgreich erprobt und an neuralgischen Stellen Betonschutzwand nach Formel-1-Standard installiert wurde, erfolgte 2013 der Ritterschlag durch den internationalen Automobilverband FIA: Erstmals wurden in Thüringen Punkte für die Europa-Bergmeisterschaft vergeben. Zum 20. Glasbachrennen am 25./26. Juli 2015 werden bereits zum dritten Mal Spitzenfahrer aus ganz Europa erwartet, darunter der siebenfache Europameister Simone Faggioli (Streckenrekordhalter und Gesamtsieger des Glasbachrennens 2013/2014), Fausto Bormolini, David Hauser und viele mehr.

Weitere Informationen:
www.glasbachrennen.de
www.ibergrennen.de

Andy Jordan

Andy Jordan

andyjordan@motorrennsportarchiv.de

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